Post-Corona-Loch? Sachsens Exporte eingebrochen! Umsatz-Minus in Milliardenhöhe

Dresden - Mehrere Branchen in Sachsen verzeichnen nach dem Hoch vor drei, vier Jahren ein rapide nachlassendes Kaufinteresse. Das haut besonders bei Autos und Wohnmobilen rein.

Beim Wohnmobilhersteller Capron lief und läuft alles nach Plan. Aber: Insgesamt sind die Exporte 2023 vor allem in der sächsischen Autobranche eingebrochen.
Beim Wohnmobilhersteller Capron lief und läuft alles nach Plan. Aber: Insgesamt sind die Exporte 2023 vor allem in der sächsischen Autobranche eingebrochen.  © Thomas Türpe

Caravans, Wohnmobile und ausgebaute Vans erfreuten sich insbesondere in der Corona-Zeit enormer Beliebtheit - nicht nur, aber auch wegen der Reisebeschränkungen.

Der Caravanhersteller Capron aus dem sächsischen Neustadt (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) reagierte, stockte beim Personal auf und nahm 2022 eine weitere Montagelinie in Betrieb.

Im vergangenen Jahr lief in der sächsischen Autobranche aber nicht alles rund. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes Kamenz gingen die Exporte (gesamt: 49,7 Milliarden Euro) im vergangenen Jahr um satte sieben Prozent zurück.

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"Dieser Rückgang betraf besonders die wichtigsten sächsischen Exportprodukte Pkw und Wohnmobile (16,1 Milliarden Euro) mit einem Minus von einer Milliarde Euro", teilte das Landesamt gestern mit. Dafür stiegen die Importe um 19 Prozent auf 4,4 Mrd. Euro.

Haben bei Wohnmobilen und Bullis ihre Nische gefunden: Felix Georgie (40) und Chef Christopher Möckel (36, v.l.).
Haben bei Wohnmobilen und Bullis ihre Nische gefunden: Felix Georgie (40) und Chef Christopher Möckel (36, v.l.).  © Uwe Meinhold

Sachsens Wirtschaftsminister Dulig spricht von "Delle"

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (49, SPD) spricht von einer "Delle".
Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (49, SPD) spricht von einer "Delle".  © Steffen Füssel

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (49, SPD) spricht im Zusammenhang mit der aktuellen Automobilkrise gern von einer "Delle".

Die spürt auch Christopher Möckel (36). Unter dem Label "Christophervanlife" baut er in Schwarzenberg Busse, Bullis und Vans zu individuellen Heimen auf vier Rädern um. "Die große Nachfrage aus Corona-Zeiten ist nicht mehr da", sagt er.

Besonders im Mittelstand sei der Markt eingebrochen, im oberen Segment aber stabil. "Unsere Auftragsbücher sind bis November voll", so Möckel.

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Abgesehen vom Nach-Corona-Loch machen fast allen Branchen der Fachkräftemangel und die steigenden Preise, insbesondere bei Energie, zu schaffen.

Das VW-Werk in Zwickau musste Ende des vergangenen Jahres wegen mangelnden Absatzes zwei Wochen schließen.
Das VW-Werk in Zwickau musste Ende des vergangenen Jahres wegen mangelnden Absatzes zwei Wochen schließen.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt
Inzwischen läuft der Betrieb in Zwickau wieder normal - allerdings nur noch im Zweischichtbetrieb.
Inzwischen läuft der Betrieb in Zwickau wieder normal - allerdings nur noch im Zweischichtbetrieb.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt

Drastische Maßnahmen bei VW aufgrund von Absatzkrise

Robuster scheint das Geschäft nach eigenen Aussagen bei BMW und Porsche in Leipzig zu laufen. VW veranlasste die Absatzkrise bei E-Autos Ende vergangenen Jahres jedenfalls zu einem zweiwöchigen Produktionsstopp im Werk Zwickau und zur Streichung einer Schicht.

Davon ist man bei Capron noch weit entfernt. "Wir bauen in Neustadt in Sachsen Wohnmobile für die Marken Sunlight und Carado, die sich weiterhin großer Beliebtheit bei Campern erfreuen", heißt es auf TAG24-Anfrage.

Titelfoto: Thomas Türpe

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