Von der Studentenbude zum Börsen-Unternehmen: Bike24 ist eine Erfolgsgeschichte aus Dresden!

Dresden - Es war ein Raketenaufstieg von der Studentenbude zum Börsen-Unternehmen: Vor genau 20 Jahren wurde der Online-Fahrradhändler Bike24 gegründet - eine Erfolgsgeschichte aus Dresden! Anlässlich des runden Geburtstags verrät Firmengründer Andrés Martin-Birner (47) Geschichten aus der Anfangszeit - wie sein Daumen seine Rennsportkarriere ausbremste, wie über den schnellen Tod des Internets orakelt wurde und wie ein gefräßiger Hase am frühen Firmenerfolg nagte.

Wo Onlinekäufer auf Beratung von Angesicht zu Angesicht treffen: Stationärer Servicepoint auf der Kesselsdorfer Straße in Dresden. Die Dresdner Firma ist auch einer der Hauptsponsoren des Erzgebirgs-Bike-Marathons.
Wo Onlinekäufer auf Beratung von Angesicht zu Angesicht treffen: Stationärer Servicepoint auf der Kesselsdorfer Straße in Dresden. Die Dresdner Firma ist auch einer der Hauptsponsoren des Erzgebirgs-Bike-Marathons.  © imago/Sven Ellger

Aus großem Ärger wurde ein kleines Imperium. Zur Jahrtausendwende ärgerte sich der Chemnitzer Radrennsportler Andrés Martin-Birner (47) immer wieder über fehlende Ersatzteile im stationären Fahrradhandel. Das muss doch besser gehen, dachte er sich und gründete einen Onlinehandel.

Fehlte nur noch ein Name für das Baby. "Es sollte einen einprägsamer, international nutzbarer Begriff sein, den man nicht erklären muss", erinnert er sich. "Weil aber für unsere erste Wahl 'Peloton', womit das Hauptfeld im Radrennsport bezeichnet wird, die Internet-Domain schon weg war, kamen wir auf Bike24." Damit waren schließlich schon Branchengrößen wie ImmoScout24 oder AutoScout24 gut gefahren.

Was bei Apple in einer Garage begann, war bei Bike24 das Wohnzimmer einer kleinen Studentenbude in der George-Bähr-Straße im Univiertel der TU Dresden: "Das Wohnzimmer war das erste Versandzentrum, wo sich die Kartons stapelten."

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Doch ein kleiner Hase knabberte am ersten Erfolg. "Er gehörte meiner damaligen Freundin, nagte regelmäßig die Außenkartons der Ware an."

Das Internet blieb und brachte den Erfolg für Bike24

Mountainbiking war gestern: Neuester Schrei sind Gravel-Bikes - eine Mischung aus Renn- und Crossrad. Mit ihren breiten Profilreifen eignet sich sowohl für Straßen- als auch Geländefahrten.
Mountainbiking war gestern: Neuester Schrei sind Gravel-Bikes - eine Mischung aus Renn- und Crossrad. Mit ihren breiten Profilreifen eignet sich sowohl für Straßen- als auch Geländefahrten.  © Bike24/PR

Das Start-up stemmte sich gegen die Macht klassischer Kataloganbieter - ein Wettrennen zwischen blättern und ankreuzen gegen klicken und scrollen.

"Manche Markenhersteller hatten Vorbehalte, ihre Räder online zu verkaufen. Man meinte, das Internet sei nur so eine Mode und ginge schnell wieder vorbei."

Doch das Internet blieb und brachte quasi auf dem Gepäckträger den Erfolg gleich mit - in Form von siebenstelligen Umsatzzahlen in den ersten Jahren. "Sogar ein Formel-1-Rennfahrer aus Monte Carlo hat bei uns bestellt", erzählt Martin-Birner.

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"Weil wir nie das Risiko gescheut haben, teure Markenware zu lagern, hatten wir selbst die gefragtesten Carbon-Premiumräder immer vorrätig. Typisch waren ansonsten Lieferzeiten von bis zu einem Dreivierteljahr."

Um vor allem ungläubigen Kunden aus Japan Schnelligkeit auf einen Blick zu versichern, war Bike24 einer der ersten Webshops, der die Verfügbarkeitsanzeige einführte.

Der Drahtesel-Versand kam in Tritt. Martin-Birner weiß: Wer bremst, verliert! Schließlich fuhr er als Radrenn-Leistungssportler sechs Jahre lang für den "RC Diamant" im Chemnitzer Sportforum, wurde 1987 Vierter bei der Bezirksmeisterschaft.

"Damit war ich zwar für die DDR-Meisterschaft qualifiziert. Doch ich konnte nicht teilnehmen, weil ich mir den Daumen gebrochen hatte."

"Der Trend geht zudem zum Zweit- und Dritt-Rad"

Gestörte Lieferketten drückten auf die Bremse: Noch immer sind nicht alle Wunschfarben und -ausstattungen auf Lager. Viele Räder blieben auf halber Strecke liegen.
Gestörte Lieferketten drückten auf die Bremse: Noch immer sind nicht alle Wunschfarben und -ausstattungen auf Lager. Viele Räder blieben auf halber Strecke liegen.  © PR/martinjoppen.de

Ganz ohne Handicaps drehte Bike24 weiter am Rad. Längst können sich auch Wanderer, Läufer, Schwimmer, Kraftsportler oder Triathleten bei dem Dresdner Sportversand ausstatten - von der Badekappe bis zur Kompressionssocke, vom Pulsmesser bis zum Heimtrainer.

"Derzeit bauen wir in Barcelona ein zweites Versandlager auf, aus dem im dritten Quartal die ersten Pakete verschickt werden sollen." Der Fahrradboom ist ungebrochen.

"Im Markt gibt es noch viel Luft nach oben", glaubt Martin-Birner. "Viele satteln auf E-Bikes um. Der Trend geht zudem zum Zweit- und Dritt-Rad." Nächstes Etappenziel ist die Marktführerschaft in Europa. "Deshalb haben wir uns im vergangenen Jahr für den Börsengang entschieden."

Vielleicht findet Andrés Martin-Birner zum 20-jährigen Betriebsjubiläum mal wieder Zeit für seine Hausrunde - 50 Kilometer von Dresden Richtung Erzgebirge.

"Die satten Anstiege in den Tharandter Wald quäle ich mich ohne E-Unterstützung mit einem klassischen Rennrad hoch", schwärmt er. Keine Gnade für die Wade.

Über 800 Marken und 77.000 Artikel: Die Firma in Zahlen

"Ja, mir san mit'm Radl da": Der Internet-Fahrradhändler ist von Sachsen nach Spanien expandiert, in Italien und Frankreich geht's dieses Jahr weiter - 24 Zahlen und Fakten über Bike24.
"Ja, mir san mit'm Radl da": Der Internet-Fahrradhändler ist von Sachsen nach Spanien expandiert, in Italien und Frankreich geht's dieses Jahr weiter - 24 Zahlen und Fakten über Bike24.  © imago/Westend61

15 Quadratmeter war das Dresdner Apartment groß, das 2002 als erster Firmensitz diente.

120.000 Euro setzten die drei Firmengründer in den ersten acht Monaten um.

2014 wird das neue Warenlager in der Dresdener Breitscheidstraße eingeweiht.

10 Millionen Euro werden 2017 in ein hochmodernes Lagersystem investiert.

• Aller 2 Jahre musste das Unternehmen umziehen, weil es zu eng wurde.

• Rund 450 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen heute.

36 Jahre alt sind die Bike24-Angestellten im Durchschnitt.

40 Prozent der Belegschaft sind Frauen.

77.000 Artikel umfasst das aktuelle Sortiment.

• Über 800 Marken gibt's im Shop - darunter alle Top-Marken wie Specialized, Garmin, Santa Cruz, Assos oder Castelli.

• Mehr als 90 Prozent aller Produkte sind im Dresdner Lager verfügbar.

Bis 15 Uhr eingegangene Bestellungen werden dank des automatisierten Lagers meist noch am selben Tag verschickt.

Mehr als 835.000 aktive Kunden bestellen bei Bike24

Der Gründer und CEO des Online-Fahrradspezialisten Bike24, Andres Martin-Birner (47, l), und CFO Timm Armbrust.
Der Gründer und CEO des Online-Fahrradspezialisten Bike24, Andres Martin-Birner (47, l), und CFO Timm Armbrust.  © Martin Joppen/Deutsche Börse AG/dpa

80 Länder umfasst die Liste der Kunden, die weltweit beliefert werden.

5 lokale Webshops gibt es: in Deutschland, Österreich, Frankreich, Spanien, Italien - zudem eine Website für internationale Bestellungen.

2 Logistikstandorte gibt es bald. Neben dem Lager in Dresden wird noch dieses Jahr ein weiteres in Barcelona eröffnet.

69 Prozent der Umsätze werden in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) erzielt, 23 Prozent in Europa, 8 Prozent im Rest der Welt.

• Mehr als 835.000 aktive Kunden bestellen bei Bike24.

• Fast 75 Prozent der Bestellungen kommen von Bestandskunden.

• Mehr als 2 Mal bestellt ein Bike24-Kunde im Durchschnitt jedes Jahr.

1,77 Millionen Bestellungen wurden vergangenes Jahr bearbeitet - 20,1 Prozent mehr als im Jahr 2020.

1 stationärer Servicepoint wird Mitte des Jahres in Berlin eröffnet. In Dresden gibt es bereits einen auf der Kesselsdorfer Straße 11.

• Seit 25. Juni 2021 sind die Aktien der Bike24 Holding AG an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert.

• Seit 2021 ist Bike24 klimaneutral.

250 Millionen Euro Jahresumsatz verbuchte der Bike-Händler 2021.

Titelfoto: Bildmontage: IMAGO/Sven Ellger, Bike24/PR

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