Einstein-Teleskop verspricht Fördermittel in Milliardenhöhe

Dresden/Rom - Teilt sich Sachsen das Einstein-Teleskop (ET) mit Italien? Am Montag wurde in Rom eine Kooperation vereinbart, die die Chancen für Sachsen im Rennen um Mittel in Milliardenhöhe deutlich erhöhen könnte.

So könnte das Einstein-Teleskop einmal aussehen.
So könnte das Einstein-Teleskop einmal aussehen.  © Marco Kraan/Nikhef

Die Präsidentin der unabhängigen Region Sardinien (Italien), Alessandra Todde (56), unterzeichnete eine entsprechende Absichtserklärung am Abend in Rom.

Mit dabei: Sebastian Gemkow (47) und Michael Kretschmer (50, beide CDU) - der Wissenschaftsminister live, der Ministerpräsident per Video. "Die Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Sardinien vernetzt exzellente Forschung, technologische Innovationskraft und europäische Solidarität", kommentierte Kretschmer.

Drei Regionen wollen das Teleskop: Sachsen favorisiert die Lausitz, Italien setzt auf Sardinien, die Euregio Maas-Rhein auf das Dreieck Belgien-Niederlande-Nordrhein-Westfalen. Es geht um Milliarden an Fördermitteln und um Folgeaufträge für die Wirtschaft.

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In Amsterdam hat die NIKHEF ihren Sitz, die EU-Behörde soll den Bau organisieren. Sardinien ist mit dem Projekt VIRGO bereits seit 2017 an der Erforschung von Gravitationswellen (siehe Kasten) beteiligt. Und welchen Vorteil hat Sachsen?

Forschungskompetenz für die Lausitz: DZA-Präsident Günter Hasinger (71).
Forschungskompetenz für die Lausitz: DZA-Präsident Günter Hasinger (71).  © Petra Hornig
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Gravitationswellen treffen ständig auf die Erde. Sie sind kleiner als ein Atom und für den Menschen nicht wahrnehmbar. (Symbolfoto)
Gravitationswellen treffen ständig auf die Erde. Sie sind kleiner als ein Atom und für den Menschen nicht wahrnehmbar. (Symbolfoto)  © 123RF
Sebastian Gemkow (47, CDU) und Sardiniens Präsidentin Alessandra Todde (56) bei der Unterzeichnung am Montag.
Sebastian Gemkow (47, CDU) und Sardiniens Präsidentin Alessandra Todde (56) bei der Unterzeichnung am Montag.  © Gari Williams

In Görlitz entsteht das Deutsche Zentrum für Astrophysik

Im Film "ET" stand das Kürzel für "Extra Terrestrial", also "der Außerirdische". Das Einstein-Teleskop, kurz ET, soll dagegen unter der Erde realisiert werden.
Im Film "ET" stand das Kürzel für "Extra Terrestrial", also "der Außerirdische". Das Einstein-Teleskop, kurz ET, soll dagegen unter der Erde realisiert werden.  © Marco Kraan/Nikhef

In Görlitz entsteht das DZA, das Deutsche Zentrum für Astrophysik, mit dem "Low Seismic Lab", einem Untergrundlabor und einer technischen Infrastruktur, mit der auch die Daten des Teleskops ausgewertet werden können.

Bisher war für dessen Konstruktion ein unterirdisches gleichschenkliges Dreieck im Gespräch. Möglich wäre laut Wissenschaftsministerium aber auch eine sogenannte Doppel-L-Struktur mit zwei weit entfernten Messstationen - etwa auf Sardinien und in der Lausitz.

Derzeit laufen Messungen, die erhärten sollen, welche der drei Regionen geologisch die geeignetste wäre. Dann muss auf Bundesebene entschieden werden, welchen Bewerber Deutschland ins Rennen schicken will.

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Bis zu einer endgültigen Entscheidung werden sicher noch Jahre vergehen.

Was kann das Ding eigentlich?

Die ersten Gravitationswellen wurden 2015 gemessen. Die Wellen sind kleiner als ein Atom. Sie treffen ständig auf die Erde, ohne dass wir das merken. Bisher sind sie nur punktuell messbar. Mit dem Einstein-Teleskop (ET) soll das kontinuierlich geschehen und Aufschluss über den Ursprung des Universums geben sowie Antworten auf eine Vielzahl von astrophysischen Fragen liefern.

Ein solches Teleskop ist noch nie gebaut worden. Dazu sind neue Messinstrumente und -methoden nötig. "Neben dem unschätzbaren Wissen, das mithilfe der Anlage in Zukunft generiert wird, bringt das Teleskop auch der Technologieentwicklung und damit ganz neuen Anwendungsbereichen in der Wirtschaft einen Schub", so Wissenschaftsminister Gemkow.

Die Lausitz könnte den Schub gut gebrauchen.

Titelfoto: Marco Kraan/Nikhef, 123RF

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