Polizei-Statistik: So kriminell ging es 2021 in Westsachsen zu

Zwickau - Die Corona-Pandemie hatte auch etwas Gutes: Die Zahl der Straftaten sank im Vorjahr auf 25.000. "Das ist der niedrigste Stand seit der Wende", freut sich Polizeipräsident Lutz Rodig (58) aus Zwickau. 2020 lag die Zahl der Straftaten noch bei 27.300, 2013 gar bei 32.900.

Die Zwickauer Polizei bearbeitete im Vorjahr 25.000 Straftaten - ein Tiefstand seit der Wende.
Die Zwickauer Polizei bearbeitete im Vorjahr 25.000 Straftaten - ein Tiefstand seit der Wende.  © Ralph Kunz

Der Polizeichef nannte Gründe: "Home-Office, Home-Schooling, Quarantäne, Isolierung verhinderten Straftaten." Rückläufig waren Wohnungseinbrüche, Diebstähle, Rauschgiftdelikte, Körperverletzungen und Vergewaltigungen.

Die Polizei hatte trotzdem viel zu tun. Zunahmen gab es bei Tötungsdelikten (von 12 auf 16) und Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (von 465 auf 620). "Letzteres liegt an der Ausweitung der Gesetze und an der Aufklärung vieler Kinderporno-Taten", sagt Lutz Rodig. Ansteigend wegen der Corona-Demos sind die Widerstandshandlungen gegen die Polizei (von 170 auf 208).

"Sorgen" bereitet dem Polizeichef die Kriminalität im Internet. Nur wegen eines Massenbetrugs mit Druckerpatronen 2020 gingen die Zahlen leicht zurück. Mehr Fälle gab es bei Waren-/Kreditbetrug, Pornografie und Beleidigung.

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Zwickau Nach 20 Jahren: Hochwasserschutz-Konzept wird aktualisiert

Von 1079 auf 1120 Fälle nahm die Häusliche Gewalt zu. Ebenfalls auffällig: 76 Prozent der Täter sind männlich. Insgesamt ermittelte die Polizei Zwickau im Vorjahr 10.166 Tatverdächtige. 585 davon waren Migranten.

Polizeipräsident Lutz Rodig (58) präsentierte die Kriminalstatistik für Zwickau und Vogtland.
Polizeipräsident Lutz Rodig (58) präsentierte die Kriminalstatistik für Zwickau und Vogtland.  © Ralph Kunz

Vogtland hat die sicherste und unsicherste Gemeinde

Plauen hat im Bereich der Polizeidirektion Zwickau die höchste Kriminalität. Dieses Foto entstand nach einem Überfall auf einen Imbiss in der Röntgenstraße.
Plauen hat im Bereich der Polizeidirektion Zwickau die höchste Kriminalität. Dieses Foto entstand nach einem Überfall auf einen Imbiss in der Röntgenstraße.  © Ellen Liebner

Das Böse ist immer und überall, hieß es in einem Popsong. Doch es gibt Ausnahmen. In Theuma/Vogtland gab es im Vorjahr nur acht Straftaten. Mit einer Häufigkeitszahl (auf 100.000 Einwohner) von 772 ist Theuma die sicherste Gemeinde im Polizeibezirk Zwickau. Im Vorjahr lag Werda vorne.

Es folgen Langenweißbach (25 Fälle/893) und Dennheritz (14/933). Das Vogtland stellt auch den Kriminalitätsschwerpunkt: In Plauen zählte die Polizei 5700 Straftaten (Häufigkeitszahl 8904). Es folgen Zwickau (5870/6795) und Oelsnitz/V. (670/5724). Generell passieren im Vogtland mehr Straftaten als im Landkreis Zwickau (4773/4490).

Polizeipräsident Lutz Rodig (58): "Städte haben generell eine höhere Kriminalitätsbelastung als ländliche Regionen."

Mehr politische Kriminalität: Rechte Täter dominieren

Nazi-Artikel bei einem Händler in Zwickau beschlagnahmt: Polizeisprecher Jean-Paul Lüdtke (36) präsentierte die Fundstücke.
Nazi-Artikel bei einem Händler in Zwickau beschlagnahmt: Polizeisprecher Jean-Paul Lüdtke (36) präsentierte die Fundstücke.  © Ralph Kunz

Bei der politisch motivierten Kriminalität gibt es einen dramatischen Anstieg. Die Zahl der Fälle stieg im Bereich der Polizei Zwickau im Jahr 2021 von 382 auf 476. Ein wichtiger Faktor waren die Corona-Demonstrationen.

262 Taten verübten rechte Straftäter, 60 linke, 9 ausländisch/religiös motivierte Menschen und 145 gelten als "politisch unklar", kamen vor allem aus einem diffusen Hass auf den Staat. In Zwickau erreichte die politische Kriminalität mit 189 (2020: 141) ein neues 10-Jahres-Hoch.

In Plauen sah die Polizei einen Gegentrend: Die Zahl politischer Straftaten sank von 69 auf 54, darunter rechtsmotivierte von 45 auf 24. Für Zwickau gründeten Stadt, Polizei und Vereine am 1. März eine "Arbeitsgruppe politischer Extremismus", um diese Straftaten ganzheitlich zu bekämpfen.

Titelfoto: Ralph Kunz

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