Auch 30 Jahre nach Ende der Produktion: Der Trabi ist längst rollende Legende

Zwickau - Jetzt gehört er amtlich zum "alten Eisen": Am 30. April 1991 um 14.51 Uhr lief im Zwickauer Sachsenringwerk der letzte Trabant vom Band - vor genau 30 Jahren. Damit wird auch der letzte "Plastik-Bomber" nun offiziell als Oldtimer eingestuft. Am Freitag wurde auf dem Zwickauer Hauptmarkt der Fließbandschließung gedacht.

Archivbild vom 30. April 1991: Der pinkfarbene Kombi mit Viertakt-Motor rollt als letzter Trabi in den Sachsenring Automobilwerken Zwickau vom Band. Ab dem 7. November 1957 wurden insgesamt 3 096 099 Fahrzeuge verschiedener Baureihen produziert.
Archivbild vom 30. April 1991: Der pinkfarbene Kombi mit Viertakt-Motor rollt als letzter Trabi in den Sachsenring Automobilwerken Zwickau vom Band. Ab dem 7. November 1957 wurden insgesamt 3 096 099 Fahrzeuge verschiedener Baureihen produziert.  © dpa/Jan-Peter Kasper

Er rollt und rollt und rollt. Dieser Slogan, der einst für den VW Käfer ersonnen wurde, passt auch perfekt zum Trabant. Dabei wurde der "kleine Stinker" oft schnöde verspottet.

Kennen Sie den Witz noch: Wie viele Arbeiter braucht man, um einen Trabi zu bauen? Zwei - einer faltet, der andere klebt. Oder den: Was sind fünf Trabis an einer Kreuzung? Eine Tupperparty!

"Durch die Wende ist er erst in die Bedeutungslosigkeit gefallen, kam dann wie Phoenix aus der Asche zurück", sagt Thomas Stebich (49), Geschäftsführer des August Horch Museums in Zwickau.

"Im Augenblick werden mehr Trabant zugelassen als abgemeldet." Noch immer rollen 38.000 Trabis mit dem Sachsenring-Logo in Deutschland. Zum Vergleich: Vom Tesla sind derzeit 34.000 Elektroautos zugelassen.

Der Trabant bekam seinen Namen aus dem Russischen, was für "Begleiter" steht. Fast 3,1 Millionen Trabis wurden gebaut.

Der letzte trägt die Produktionsnummer 3 069 099 und rollte vom Fließband direkt ins Horch-Museum - ein Kombi in Rosa und mit neuem Viertakt-Motor. Der damalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf hielt die Abschiedsrede: "Mit dem letzten Trabi endet eine Epoche."

Gedenken an Trabant-Produktionsschluss vor 30 Jahren

Die "Pappe" ist Kult: Drei mit Luftballons geschmückte Trabis standen am Freitag zum stummen Gedenken auf dem Zwickauer Hauptmarkt - zwei Limousinen (caprigrün und gletscherblau) sowie ein papyrusweißer 1.1 Kombi aus dem Besitz des Vereins Inter Trab.
Die "Pappe" ist Kult: Drei mit Luftballons geschmückte Trabis standen am Freitag zum stummen Gedenken auf dem Zwickauer Hauptmarkt - zwei Limousinen (caprigrün und gletscherblau) sowie ein papyrusweißer 1.1 Kombi aus dem Besitz des Vereins Inter Trab.  © Ralph Köhler/propicture

Zum nicht nur coronabedingt "stillen Gedenken" an den Produktionsschluss vor 30 Jahren stellte der Inter Trab e. V. (180 Mitglieder) am Freitag drei Trabis vor das Zwickauer Rathaus.

"Ich selbst besitze allein sechs Trabis und vier Garagen voller Trabi-Ersatzteile", sagt Vorstandsmitglied Ralph Köhler (54).

Der Verein will in Meerane ein Museum mit ausschließlich originalgetreuen Trabis aus allen Epochen des Trabantbaus bauen und die Geschichte der Zulieferindustrie erzählen.

Köhler: "Wer kennt in Zeiten von LED-Beleuchtung am Fahrzeug später zum Beispiel noch Glühbirnen?!"

Bei manchen wurden Erinnerungen an die alte "Familienkutsche" wach. Für Liebhaberstücke werden heute bis zu 10.000 Euro gezahlt, für die Cabrio-Trabis Kübel oder Tramp sogar bis zu 14.000 Euro.
Bei manchen wurden Erinnerungen an die alte "Familienkutsche" wach. Für Liebhaberstücke werden heute bis zu 10.000 Euro gezahlt, für die Cabrio-Trabis Kübel oder Tramp sogar bis zu 14.000 Euro.  © Ralph Köhler/propicture
Nach der Wende wurde das DDR-Kultauto zum Ladenhüter: Trabant-Halde in der Zwickau Schubertstraße Mitte März 1991.
Nach der Wende wurde das DDR-Kultauto zum Ladenhüter: Trabant-Halde in der Zwickau Schubertstraße Mitte März 1991.  © Detlev Müller

Mit seinen jetzt 30 Jahren auf dem Plastik-Buckel kann auch der letzte Trabi offiziell als Oldtimer angemeldet werden - mit allen Vergünstigungen bei Steuer, Versicherungsprämie und Umweltauflagen. Die Legende lebt: Der Trabi rollt und rollt und rollt.

Titelfoto: Ralph Köhler/propicture

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