Trotz heftiger Kritik: Ausstellung "Körperwelten" in Lübeck eröffnet

Lübeck - Nach 25 Jahren ist Gunther von Hagens' umstrittene Anatomie-Ausstellung "Körperwelten" erstmals in Schleswig-Holstein zu sehen.

Das Plastinat "Der Hürdenläufer" ist in der Ausstellung "Körperwelten" zu sehen.
Das Plastinat "Der Hürdenläufer" ist in der Ausstellung "Körperwelten" zu sehen.  © Christian Charisius/dpa

Am Montag wurde die Schau mit 180 Exponaten in der Lübecker Kulturwerft Gollan eröffnet. 

Er freue sich sehr, dass die Ausstellung jetzt der Hansestadt zu sehen sei, sagte Bürgermeister Jan Lindenau. Das zeige auch den hohen Stellenwert der medizinischen Forschung für Lübeck, sagte er.

Die Ausstellung steht unter dem Motto "Der Zyklus des Lebens" und zeigt die Veränderungen des menschlichen Körpers im Lauf der Zeit von der Zeugung bis ins hohe Alter. 

"Wichtig ist es uns auch zu zeigen, was jeder selbst tun kann, um seine Gesundheit und Lebensqualität möglichst lange zu bewahren", sagte die Ausstellungskuratorin und Ehefrau von Hagens, Angelina Whalleys.

Der Mediziner und Anatom von Hagens gilt als Erfinder der Plastination, bei der Körper durch den Austausch von Zellflüssigkeiten durch Kunststoffe haltbar gemacht werden.

Die evangelische Kirche in Lübeck hatte zuvor vor allem den Zeitpunkt der Ausstellung kritisiert. 

Nach hunderttausend Toten weltweit durch die Corona-Pandemie halte sie die Ausstellung für problematisch, hatte Pröpstin Petra Kallies vor knapp zwei Wochen gesagt.

Ein Besucher mit Mundschutz betrachtet das Plastinat "Elefantenkuh Samba".
Ein Besucher mit Mundschutz betrachtet das Plastinat "Elefantenkuh Samba".  © Christian Charisius/dpa

Besucher sind zufrieden

Die ersten Besucher sahen das anders. "Die Ausstellung ist sehr interessant, aber auch ein bisschen merkwürdig, wenn man bedenkt, dass das tote Menschen sind", sagte Alexandra Mielke aus Zarpen bei Lübeck. 

Sie selbst würde ihren Körper nicht für eine Plastination zur Verfügung stellen, sagte sie.

Jana Reichow aus Lübeck dagegen hat sich bereits vor zehn Jahren zu einer Körperspende entschlossen. "Ich teile zwar die christlichen Werte, glaube aber nicht an ein Leben nach dem Tod." 

Da sei die Plastination eine gute Möglichkeit, nicht von Maden zerfressen zu werden, sagte sie.

Titelfoto: Christian Charisius/dpa

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