Wetterdienst korrigiert Hitzerekord: In Hamburg war's am heißesten

Hamburg - Wenn die Deutschen an Hamburg denken, dann geht das meist mit nassem, kühlem und stürmischem Wetter einher. Bislang hat niemand Temperaturen über 40 Grad mit der Hansestadt in Verbindung gebracht. Doch jetzt ist es offiziell: In Hamburg war es am Mittwoch deutschlandweit am heißesten.

Der Temperaturrekord in Bad Mergentheim wurde korrigiert. (Archivbild)
Der Temperaturrekord in Bad Mergentheim wurde korrigiert. (Archivbild)  © Christoph Schmidt/dpa

Auf dem Höhepunkt der Hitzewelle fielen zahlreiche Rekorde. Gleich vier Messstationen meldeten am Mittwoch Höchstwerte über 40 Grad. Das Maximum wurde eigentlich mit 40,3 Grad in Bad Mergentheim in Baden-Württemberg gemessen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat diesen bisherigen Hitzerekord des Jahres am Donnerstag aber schon wieder korrigiert.

Die Messung sei zwar korrekt gewesen. "Allerdings ergab eine umgehend erfolgte Prüfung des Standortes, dass die Temperaturdaten des Messfelds aufgrund benachbarter Gebäude sowie des Vegetationsbewuchses in der direkten Umgebung bei windschwachen Wetterlagen wie in den letzten Tagen nur für eine sehr lokale Umgebung repräsentativ sind", teilte der DWD mit.

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Der Wert wird daher nicht gewertet. In Baden-Württemberg wurde am Mittwoch kein neuer Hitzerekord aufgestellt, die bisherige Höchsttemperatur wurde am 9. August 2003 mit 40,2 Grad in Karlsruhe gemessen.

Aufgrund dieser Entscheidung war es am Mittwoch offiziell in Hamburg am heißesten. 40,1 Grad hatte die Messstelle im Stadtteil Neuwiedenthal gemessen – offenbar ohne nachträgliche Beanstandungen seitens des DWD.

DWD zum Hitzemesswert in Bad Mergentheim

Deswegen sind die 40 Grad in Hamburg so außergewöhnlich

Hamburg hat am Mittwoch gleich zwei Hitzerekorde aufgestellt. (Archivbild)
Hamburg hat am Mittwoch gleich zwei Hitzerekorde aufgestellt. (Archivbild)  © Georg Wendt/dpa

Die bisherige Höchsttemperatur wurde am 9. August 1992 mit 37,3 Grad in der Hansestadt erreicht. Mittlerweile häufen sich aber die extrem heißen Tage im Sommer. Erst vor zwei Jahren wurden acht Tage in Folge mehr als 30 Grad gemessen. Auch ein Rekord.

Doch zurück zur aktuellen Hitzewelle. Auf der Liste der heißesten Orte des 20. Juli folgen hinter Hamburg Barsinghausen-Hohenbostel in Niedersachsen und Huy-Pabstorf in Sachsen-Anhalt mit jeweils 40,0 Grad.

In zwei weiteren Bundesländern wurden neue Rekorde aufgestellt: 39,4 Grad wurden in Boizenburg in Mecklenburg-Vorpommern und 39,1 Grad in Grambek in Schleswig-Holstein gemessen.

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Der DWD bezeichnet die Hitzewelle als historisch. Sie ist wohl ein Anzeichen der sich beschleunigenden Klimaerwärmung. Dabei ist vor allem der Messwert in Hamburg außergewöhnlich.

"Nicht nur, weil der vorherige Rekord gleich um knapp 3 Grad überboten wurde, sondern auch, wenn man ihn im geographischen Kontext liest: Temperaturen von 40 Grad und mehr sind auf diesem Breitengrad und in dieser maritimen Klimazone eine echte Rarität, weltweit", sagte DWD-Meteorologe Adrian Leyser. "In Europa - Russland ausgenommen - wurde noch nie so weit im Norden die 40-Gradmarke gerissen."

DWD misst seit Jahren mehr Hitze in Deutschland

Die Hitzewelle hat viele Menschen an die Strände gelockt, wie hier in Warnemünde.
Die Hitzewelle hat viele Menschen an die Strände gelockt, wie hier in Warnemünde.  © Jens Büttner/dpa

Auch wenn es Stimmen gebe, die behaupten, dass es im Sommer immer mal wieder so hohe Temperaturen gegeben habe, zeigen die DWD-Daten ein anderes Bild.

"Der 20. Juli 2022 ist gerade einmal der 10. Tag, an dem seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland 40 Grad erreicht wurden", sagte Leyser und fügte hinzu: "Das erste Mal war es 1983 in Kösching (Bayern) und Gärmersdorf (Bayern) der Fall, dann erst wieder im legendären 'Jahrhundertsommer' 2003."

Seit den 2010er Jahren nehme die Frequenz der Hitzewellen zu, außerdem betreffe sie immer größere Gebiete.

Die höchste bislang in Deutschland gemessene Temperatur war 41,2 Grad, gemessen am 25. Juli 2019 in Duisburg-Baerl und Tönisvorst (beide Nordrhein-Westfalen).

Der angebliche Rekordwert von 42,6 Grad in Lingen im Emsland wurde mit einer ähnlichen Begründung wie im aktuellen Fall von Bad Mergentheim gestrichen. Es scheint aber nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die nächste Hitzewelle diese Messungen in den Schatten stellt.

Titelfoto: Georg Wendt/dpa

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