In Ostsee-Paradies: Kreistag soll über Verkauf von Hitlers Nazi-Bau abstimmen

Binz/Rügen - Wie geht's weiter mit dem vor 80 Jahren als Ferienanlage geplanten "Seebad der 20.000" von Diktator Adolf Hitler (†56)? Jetzt hat der Sonderausschuss des Kreises Vorpommern-Rügen weitere Weichen für den Verkauf von Block 5 des Nazi-Baus gestellt.

Die verbliebenen fünf Blöcke in direkter Ostsee-Strandlage haben eine Länge von 2,5 Kilometern.
Die verbliebenen fünf Blöcke in direkter Ostsee-Strandlage haben eine Länge von 2,5 Kilometern.  © dpa/Stefan Sauer

Demnach soll der Verkauf des für den Bau von Wohnungen gedachten Gebäudeteils (TAG24 berichtete) von dem Teil entkoppelt werden, in dem später ein Bildungszentrum entstehen soll.

Am 1. Oktober soll der Kreistag über die Entkopplung abstimmen. Auch über den Verkauf an den Bieter soll dann entschieden werden, wie Landrat Ralf Drescher (62, CDU) am Dienstag der DPA sagte.

Den Namen des Interessenten oder die Höhe des Angebots nannte Drescher nicht.

In einem weiteren Beschluss soll nach Empfehlung des Sonderausschusses zudem die Übertragung von Grundstücken auf die Gemeinde Binz geregelt werden.

Ursprünglich sollte der für den Wohnungsbau vorgesehene Gebäudeteil des 450 Meter langen Blockes nur zusammen mit dem für das Bildungszentrum gedachten Gebäudeteil verkauft werden.

Im Prora-Block 5 auf Rügen sollen Wohnungen in Strandnähe entstehen. Hier wollte Hitler einst sein "Seebad der 20.000". (Bildmontage)
Im Prora-Block 5 auf Rügen sollen Wohnungen in Strandnähe entstehen. Hier wollte Hitler einst sein "Seebad der 20.000". (Bildmontage)  © DPA (Bildmontage)

Doch da die endgültige Entscheidung über den Träger des Zentrums sowie über den Betreiber noch nicht getroffen sei, entkoppele man nun beide Verfahren.

Drescher sieht den Aufbau einer Bildungseinrichtung zur Geschichte Proras auf einem guten Weg. Der Bund hatte bereits 3,4 Millionen Euro dafür zugesagt. Das Land habe signalisiert, sich in gleicher Höhe zu beteiligen und zusätzliche Mittel für die Infrastruktur bereitzustellen.

Block 5, der einst von den Nationalsozialisten als "Seebad der 20.000" geplanten Anlage, ist der letzte der erhaltenen fünf Blöcke, der noch in kommunaler Hand ist.

Während in den anderen Blöcken bereits Hotels und Ferienwohnungen entstanden, wartet der Großteil des Blockes 5 auf eine Sanierung. Dem Kreis fehlte das Geld dafür. Lediglich der Nordteil des Blockes wurde mit Mitteln von Bund, Land und EU saniert. Dort betreibt das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) seit 2011 eine Jugendherberge.

Dagegen musste Anfang August ein Berliner Investor für Block 1 Insolvenz anmelden (TAG24 berichtete). Dort sollten 280 Eigentumswohnungen entstehen. Seit dem 17. August hat die riesige Anlage den lukrativen Status "Erholungsort".

Titelfoto: DPA (Bildmontage)