80 Jahre nach der Reichspogromnacht: In Sachsen nehmen Angriffe auf Juden zu

Dresden - Die Reichspogromnacht läutete den Holocaust ein.

Schon unzählige Male wurde das jüdische Restaurant "Schalom" von Uwe Dziuballa (53) angegriffen.
Schon unzählige Male wurde das jüdische Restaurant "Schalom" von Uwe Dziuballa (53) angegriffen.  © Uwe Meinhold

Wie viel Antisemitismus gibt es heute noch in Sachsen? Die Zahl dieser Straftaten ist wieder gestiegen.

Laut Innenministerium nahm die Zahl antisemitischer Straftaten 2017 in Sachsen um fast ein Drittel zu. Insgesamt wurden 118 Fälle gezählt, 2016 waren es 90.

Dabei geht es zum Beispiel um Körperverletzung, Sachbeschädigung und Volksverhetzung. Jüngster Vorfall war der Angriff auf das jüdische Restaurant "Schalom" im August in Chemnitz.

Und die Ergebnisse des "Sachsen-Monitors 2017" zeigen: 16 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, "Juden versuchen heute Vorteile daraus zu ziehen, dass sie während der Nazi-Zeit die Opfer gewesen sind."

Aber auch unter Migranten gibt es judenfeindliches Denken.

In der Pogromnacht 1938 begann der Holocaust.
In der Pogromnacht 1938 begann der Holocaust.  © Archiv SZ

In einer Anhörung im Landtag sagte Nora Goldenbogen (69), Chefin des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden mit 2 600 Mitgliedern jüngst: "Wir haben in Sachsen, das sage ich ganz deutlich, ein sehr starkes Problem mit rechtsextremem Antisemitismus."

Die Hemmschwellen seien gesunken, offenen Antisemitismus auszusprechen. Die Bürger, die in den jüdischen Gemeinden Sachsens verankert sind, seien sehr verunsichert und hätten Angst.

An den 80. Jahrestag erinnerte gestern auch der Landtag. Hanka Kliese (38, SPD): "Was wir tun können, ist hinsehen, hingehen, die Stimme erheben." Sebastian Wippel (36, AfD) machte vor allem muslimische Einwanderer für wiedererstarkten Antisemitismus verantwortlich. Linke-Politikerin Kerstin Köditz (51) erwiderte, von den 118 Straftaten im Jahr 2017 seien genau zwei gewesen, die nicht von rechten Tätern ausgingen.

Staatskanzleichef Oliver Schenk (50, CDU) kündigte einen "Beauftragten für jüdisches Leben" an. Einen solchen Beauftragten hatten die Linken gefordert.

Stern einer Synagoge: Steigender Antisemitismus macht auch Juden in Sachsen Sorgen.
Stern einer Synagoge: Steigender Antisemitismus macht auch Juden in Sachsen Sorgen.  © DPA

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