Sachsen verpatzt den Elchtest, immer wieder!

Moritzburg - Wenn Elche Nachrichten hören könnten, würden sie den Freistaat sicher meiden. Denn Sachsen besteht den Elchtest nicht. Fast alles, was die mächtigen Hirsche in diesem Jahrhundert hier erlebten, endete tragisch. Hier eine Auswahl.

Auf der Suche nach Westfernsehen? Nicht doch: In der Lausitz wurden so 2003 die mit Sendern versehenen Elche angepeilt.
Auf der Suche nach Westfernsehen? Nicht doch: In der Lausitz wurden so 2003 die mit Sendern versehenen Elche angepeilt.  © SZ/Wolfgang Wittchen

• Diese Woche meldete das Wildgehege Moritzburg, dass man den letzten Elchbullen Horst einschläfern musste. Er verletzte sich schwer, nachdem er vor wenigen Tagen die letzte verbliebene Elchkuh angegriffen hatte.

Die wurde zwischenzeitlich in Sicherheit gebracht. Immer wieder kam es in Moritzburg zu tödlichen Zwischenfällen - Kämpfe, panische Fluchten, grassierende Gelbsucht. Wer nicht vorher das Glück hatte, in ein anderes Gehege zu kommen, verendete hier.

• Ein Jungbulle (225 Kilo) machte 2001 erst die Bautzener Autobahnpolizei und später die Dresdner wuschig. Er streifte durch die Gärten, labte sich am Obst. In Striesen wollte er über einen Eisenzaun springen und spießte sich auf. Haut und Schädel kamen ins Museum, sein Fleisch wurde im Zoo verfüttert.

•Wenige Monate später starb Elchkuh Finja. In der Heide bei Dauban wurde eine Elchfamilie angesiedelt, um dort die Bäume niedrig zu halten. Doch Schaulustige meinten es vielleicht gut, warfen aber falsches Futter über die Absperrung - Finja starb an Pansenübersäuerung. Als die Fördermittel ausliefen, starb auch das Projekt.

Moritzburg hat mit den Elchen noch was vor

Ein Elch bei Siemens in Dresden: Was der junge Bulle dort im August 2014 suchte, wusste er wohl selber nicht.
Ein Elch bei Siemens in Dresden: Was der junge Bulle dort im August 2014 suchte, wusste er wohl selber nicht.  © dpa/Arno Burgi

•Wegen häufiger Grenzübertritte irritierte Elch "Knutschi" 2011 den BGS am Erzgebirgskamm. Besonders verärgert war aber der Oberförster, weil Knutschi die Rinden des "Vugelbeerbaams" (im Erzgebirge ein Heiligtum) abknabberte.

Wenig später streifte der Elch durch Chemnitz und wurde durch Schaulustige gen Westen getrieben. Seine Leiche wurde in Hessen gefunden, Todesursache wohl dauerhaft unbekannt.

• Da steht ein Elch in der Kantine! 2014 geschehen bei Siemens in Dresden-Kaditz. Der zwei Jahre alte Bulle hatte sich einfach verirrt. Mit Gebrüll und Ästen versuchte die Polizei, das Tier in einen Container zu jagen. Schließlich wurde er doch betäubt und in den Wald gefahren. Er war schlau und wanderte in das für Elche sichere Polen aus. Zwei Jahre später wurde er noch einmal lebend an der polnischen Ostsee gesichtet.

Übrigens: Moritzburg will die Zucht der Elche nicht aufgeben. Schließlich zieren sie das Wappen des Wildparks...

Das Wildgehege Moritzburg freute sich im letzten Sommer über Nachwuchs, doch die Freude währte nicht lange.
Das Wildgehege Moritzburg freute sich im letzten Sommer über Nachwuchs, doch die Freude währte nicht lange.  © Norbert Neumann
Traurig: Dieser junge Elch starb 2001 in Dresden. Er hatte sich bei der Flucht an einem Gartenzaun verletzt.
Traurig: Dieser junge Elch starb 2001 in Dresden. Er hatte sich bei der Flucht an einem Gartenzaun verletzt.  © Jörn Haufe

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