Wie Ghetto ist Neukölln? Bezirksbürgermeister Hikel spricht Klartext

Berlin - Hoher Migrantenanteil, Clankriminalität und zugleich In-Bezirk im Norden. Neukölln hat viele Gesichter, doch wie sieht der Kiez wirklich aus. Darüber gibt Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD, 32) Auskunft.

 Martin Hikel (32, SPD), Neuköllns Bezirksbürgermeister, startet mit einem Straßenbesen den Frühjahrsputz rund um die Rollberg-Siedlung im Bezirk Neukölln. (Archivbild)
Martin Hikel (32, SPD), Neuköllns Bezirksbürgermeister, startet mit einem Straßenbesen den Frühjahrsputz rund um die Rollberg-Siedlung im Bezirk Neukölln. (Archivbild)  © Wolfgang Kumm/dpa

Martin Hikel kennt sich aus: Sein Abitur legte er 2005 im Neuköllner Ortsteil Britz ab, trat im selben Jahr in die SPD ein. Bis zum 21. März 2018 war er Lehrer für Mathematik und Politik an der John-F.-Kennedy-Schule in Zehlendorf. Dann trat er die Nachfolge der damaligen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (40, SPD) an.

Hikel ist 2,08 Meter groß. So groß, wie die Aufgaben, denen er sich stellen muss. Spätestens seit dem Bestseller "Neukölln ist überall" von Hikels Vorvorgänger Heinz Buschkowsky (70, SPD) gilt der Ortsteil in Köpfen vieler als "gescheiterter Staat". Multikulti sei gescheitert, bilanzierte Buschowsky damals und skandierte dieses Gefühl deutschlandweit in den Talkshows (TAG24 berichtete). Und was denkt Hikel?

"Neukölln hat viele Spuren in mir hinterlassen und ich möchte auch Spuren in Neukölln hinterlassen", sagte der SPD-Politiker vor gut einem Jahr der Morgenpost. Seitdem hechtet er von Termin zu Termin, von Razzia zu Razzia (TAG24 berichtete). Doch ist Neukölln wirklich ein Problembezirk?

Neukölln ist eine Go-Area

Der Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (32, SPD,l) unterhält sich im Hotel Estrel beim traditionellen Weihnachtsessen für Menschen von der Straße mit einem Bedürftigen. (Archivbild)
Der Bürgermeister von Neukölln, Martin Hikel (32, SPD,l) unterhält sich im Hotel Estrel beim traditionellen Weihnachtsessen für Menschen von der Straße mit einem Bedürftigen. (Archivbild)  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

"Neukölln wird gerne als No-Go-Area abgestempelt", erklärte Hikel im Gespräch mit dem Handelsblatt, "aber eigentlich ist der Bezirk mittlerweile eine Go-Area", fuhr der 32-Jährige fort, der zwischen Britz, Buckow und Rudow aufwuchs und seit seinem Studium im Norden Neuköllns, im Körnerkiez, wohnt.

Der jüngste Bezirksbürgermeister Berlins weiß zu differenzieren, weiß, dass Neukölln Hipster-Bezirk, Hochhaussiedlung, Kunstszene und Blumenviertel ist: "Es haben sich im Norden viele Künstler angesiedelt und eine neue Kultur in den Stadtteil eingebracht. Deshalb steigen dort auch die Mieten ins Unermessliche, was neue Probleme hervorruft", machte er deutlich.

Hikel resümierte, dass Neukölln "insgesamt ein aufstrebender Bezirk" ist: Dennoch: "Gleichzeitig existieren auch die Probleme weiterhin, Kriminalität und Armut sind natürlich nicht weggewischt", betonte er.

Neuköllns schlechtes Image ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Blick in die Polizeistatistik zeigt: Der Stadtteil ist der viertgefährlichste Bezirk Berlins. Für Hikel ist Ursachenbekämpfung das Maß aller Dinge: soziale Probleme beseitigen, indem Kindern und Jugendlichen eine Perspektive gegeben werden. Zudem werden regelmäßig Schwerpunktkontrollen durchgeführt.

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