Wegner-Post geht viral: Bürgermeister kassiert Shitstorm - auch aus eigener Partei

Berlin - Die vereisten Straßen in der Hauptstadt sind nicht nur ein Ärgernis für die Menschen, sondern eine echte Gefahr. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (53. CDU) richtet einen Appell ans Abgeordnetenhaus - und geht damit auf ganzer Linie baden.

Kai Wegner (53. CDU) hat beim Kurznachrichtendienst X den Einsatz von Streusalz gefordert.
Kai Wegner (53. CDU) hat beim Kurznachrichtendienst X den Einsatz von Streusalz gefordert.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Seit geraumer Zeit hat sich eine Eisdecke über die Geh- und Radwege in Berlin gelegt. Der Winterdienst kommt nicht hinterher und das Unfallkrankenhaus schlägt Glatteis-Alarm. Zeit für das Stadtoberhaupt, Flagge zu zeigen. Mit einem Beitrag beim Kurznachrichtendienst X wollte er aufrütteln.

"Wir erleben in Berlin extreme Wetterbedingungen - mit Eisregen und anhaltendem Frost. Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus, den Einsatz von Tausalz in Berlin in Ausnahmen möglich zu machen", forderte der CDU-Politiker.

Man müsse die gefährliche Lage auf Gehwegen, Treppen und Straßen entschärfen. "Es ist unsere Pflicht, dass die Menschen auch im Winter gut und sicher durch die Stadt kommen", betonte der 53-Jährige.

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Doch was gut gemeint war, ging voll in die Hose. Sein Beitrag ist regelrecht viral gegangen, wurde mehr als eine Million Mal angeklickt - nicht einmal seine Beiträge während des Stromausfalls hatten diese Reichweite. Das Ergebnis fiel jedoch anders aus als gewünscht: Es hagelte Kritik von allen Seiten.

"Unglaublich! So etwas kannst du dir nicht ausdenken. Ein Bürgermeister bettelt auf X um Streusalz", monierte ein User und ein anderer ließ wissen: "Ich traue mich im Urlaub gar nicht mehr zu sagen, dass ich aus Berlin komme. An Peinlichkeiten nicht mehr zu überbieten."

Aufgrund der vereisten Straßen sind Glätte-Unfälle in Berlin an der Tagesordnung.
Aufgrund der vereisten Straßen sind Glätte-Unfälle in Berlin an der Tagesordnung.  © Britta Pedersen/dpa

Kai Wegner richtet beim Kurznachrichtendienst X einen Appell and Abgeordnetenhaus

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Auch Parteikollege Armin Laschet hat Kai Wegner verspottet

Armin Laschet (64, CDU) konnte sich eine Spitze gegen Kai Wegner nicht verkneifen.
Armin Laschet (64, CDU) konnte sich eine Spitze gegen Kai Wegner nicht verkneifen.  © Oliver Berg/dpa

Neben der Handlungsunfähigkeit wurde aber auch die wieder einmal mangelhafte Voraussicht scharf kritisiert: "Das sind keine extremen Wetterbedingungen. Das ist ein gewöhnlicher Winter! Man hätte sich darauf vorbereiten können!", merkte ein Nutzer an.

Auch aus der Politik gab es Gegenwind. FDP-Mann Wolfgang Kubicki (73) ließ kein gutes Haar an Wegner: "Ein Regierungschef, der über X um Mehrheiten für Selbstverständlichkeiten bettelt, ist politisch am Ende", polterte er.

Dass ein Oppositions-Politiker Stimmung macht, ist freilich keine Überraschung, aber selbst aus den eigenen Reihen kam Hohn und Spott. So konnte sich Parteikollege Armin Laschet (64, CDU) eine Spitze nicht verkneifen.

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"Grandios! Jetzt machen sich schon Grüne aus Schwaben lustig darüber, dass Berlin nicht in der Lage, Straßen vom Eis zu befreien. Und nein, es ist keine überraschende Wetterkrise: Man nennt es Winter", witzelte der einstige Kanzlerkandidat.

In Berlin ist der Einsatz des umweltschädlichen Streusalzes nur der Berliner Stadtreinigung (BSR) und auch nur in Ausnahmefällen gestattet. Hamburg hatte sein Straßenreinigungsgesetz kürzlich geändert, um den Einsatz trotzdem zu ermöglichen.

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa, Sebastian Christoph Gollnow/dpa, Oliver Berg/dpa (Bildmontage)

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