Wirbel um Linke-Kandidat in Neukölln: Ist Ahmed Abed Antisemit?
Von Andreas Heimann
Berlin - Die Linke in Berlin-Neukölln macht erneut von sich reden. Jüngstes Beispiel ist die Wahl von Ahmed Abed als Kandidat für das Amt des Bezirksbürgermeisters.
Abed, dem mehrfach israelfeindliche Positionen vorgehalten wurden, ist Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Neukölln und inzwischen Co-Fraktionsvorsitzender.
Über den Bezirk hinaus machte er im Oktober beim Besuch des Bürgermeisters aus Neuköllns israelischer Partnerstadt Bat Yam Schlagzeilen. Abed zeigte deutlich, was er davon hielt, den israelischen Politiker, der der rechtskonservativen Likud-Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu (76) angehört, im Neuköllner Rathaus zu empfangen: gar nichts.
Im Zusammenhang mit den israelischen Angriffen auf den Gazastreifen nach dem Terrorangriff der Hamas warf er ihm Völkermord vor. Abeds Auftritt im Rathaus wurde unter anderem von Bezirksbürgermeister Martin Hikel (39, SPD) und der CDU-Opposition scharf kritisiert.
Das Thema Nahostkonflikt und linker Antisemitismus hat in Berlin viel Eskalationspotenzial. Im Herbst 2024 waren mehrere prominente Mitglieder wie Ex-Kultursenator Klaus Lederer (51) aus Protest gegen aus ihrer Sicht zu wenig Abgrenzung gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen aus der Partei ausgetreten. Im Blick hatten sie dabei nicht zuletzt Mitglieder aus Neukölln.
Berlins Linke-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Elif Eralp (45), empfiehlt ihrer Partei in Neukölln, im Wahlkampf besser auf Themen wie steigende Mieten zu setzen.
CDU äußert scharfe Kritik
"Neukölln braucht einen Bezirksbürgermeister, der sich um die drängenden Herausforderungen des Bezirks kümmert, insbesondere um die stark steigenden Mieten, die Sauberkeit im öffentlichen Raum und das gesellschaftliche Zusammenleben", sagte Eralp der Deutschen Presse-Agentur.
Der Vorsitzende des CDU-Kreisverbands Neukölln, Falko Liecke (52), kritisierte die Kandidatenaufstellung scharf: "Mit dieser Entscheidung setzt die Linkspartei erneut auf gesellschaftliche Spaltung und Hass", sagte er der "B.Z.".
Neuköllns Bezirksbürgermeister Hikel nannte Abeds Kandidatur in der Zeitung einen Schlag ins Gesicht aller, die sich für ein friedliches Zusammenleben und gegen Islamismus einsetzten und forderte Konsequenzen für eine Regierungsbildung nach der Abgeordnetenhauswahl: "Wir müssen hier rote Linien ziehen. Ich sehe die Voraussetzung für eine Koalition mit der Linken nur sehr eingeschränkt."
Die Linke-Landesspitze stellte sich hinter Abeds Kandidatur: "Ahmed Abed hat jahrelang Kommunalpolitik für uns in Neukölln gemacht und dabei den Schwerpunkt auf Sozialpolitik und soziale Gerechtigkeit gelegt", sagte Landesvorsitzende Kerstin Wolter (39). "Da finde ich es nicht überraschend, dass die Linke in Neukölln ihn prominent aufgestellt hat."
Titelfoto: Jörg Carstensen/dpa

