Existenzgefahr für Entsorger? Alte Batterien setzen immer wieder Müllautos in Brand

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Dresden - Und plötzlich steht der Müll in Flammen: Falsch entsorgte Lithiumbatterien führen bei Sachsens Entsorgern immer häufiger zu Bränden. Die Branche spricht inzwischen von einem existenzgefährdenden Risiko - und fordert Hilfen und Verbote.

Anfang Mai brannte es bei der Landkreisentsorgung in Schwarzenberg (Erzgebirge). Mittlerweile sei praktisch jedes Unternehmen betroffen gewesen, erklärte der Landesverband der Entsorgungswirtschaft.
Anfang Mai brannte es bei der Landkreisentsorgung in Schwarzenberg (Erzgebirge). Mittlerweile sei praktisch jedes Unternehmen betroffen gewesen, erklärte der Landesverband der Entsorgungswirtschaft.  © Niko Mutschmann

Müllautos, deren Fracht zu brennen beginnt, Sortier- und Recyclinganlagen, die plötzlich in Flammen stehen - immer häufiger haben Abfallentsorger mit solchen Ereignissen zu kämpfen.

Die Chefin des Landesverbands der Entsorgungswirtschaft (LVR) in Sachsen, Freya Sternkopf, spricht von einer "sehr bedrohlichen" Situation für die Unternehmen. "Wenn Anlagen abbrennen und wir zum Teil keinen Versicherungsschutz mehr bekommen, ist das existenzgefährdend für die Betriebe."

Mittlerweile sei praktisch jedes der knapp 100 Mitgliedsunternehmen des Landesverbands betroffen gewesen.

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Die Batterien geraten vor allem dann in Brand, wenn sie in Müllautos oder Müllpressen mechanisch verformt werden.

Das Problem sei "flächendeckend", berichtet Sachsens Landesfeuerwehrchef Gunnar Ullmann. "Wir haben Brände in Müllfahrzeugen, in Zwischenlagern und auf Deponien." Ullmann sieht die Hauptursache weniger im Verhalten der Bürger als in unzureichenden gesetzlichen Vorgaben für Hersteller.

Feuerwehrleute eilten am 24. April in Leipzig einem Müllauto zu Hilfe, dessen Fracht plötzlich brannte.
Feuerwehrleute eilten am 24. April in Leipzig einem Müllauto zu Hilfe, dessen Fracht plötzlich brannte.  © LeipzigFireFighter
Sachsens Landesfeuerwehrchef Gunnar Ullmann fordert, dass Produkte mit eingebauten Akkus so konstruiert werden, dass Energiespeicher leicht entnommen und getrennt entsorgt werden können.
Sachsens Landesfeuerwehrchef Gunnar Ullmann fordert, dass Produkte mit eingebauten Akkus so konstruiert werden, dass Energiespeicher leicht entnommen und getrennt entsorgt werden können.  © Thomas Türpe

Gefährliche Batterien in zahlreichen Alltagsprodukten

Hochumstritten: Einweg-E-Zigaretten mit Batterien sollen für einen Teil der Müllbrände verantwortlich sein.
Hochumstritten: Einweg-E-Zigaretten mit Batterien sollen für einen Teil der Müllbrände verantwortlich sein.  © Imago

Gefährliche Batterien finden sich in zahlreichen Alltagsprodukten – von Kinderspielzeug über singende Grußkarten bis hin zu Einweg-E-Zigaretten. "Ich mache den Bürgern nicht immer einen Vorwurf – viele wissen gar nicht, dass da noch ein Akku oder eine Batterie drinsteckt", sagt Ullmann.

Aus seiner Sicht sollten Produkte mit eingebauten Akkus so konstruiert werden, dass Energiespeicher leicht entnommen und getrennt entsorgt werden können.

Der LVR geht noch weiter und fordert ein Verbot bestimmter Einweggeräte mit fest verbauten Lithiumbatterien. Parallel wirbt die Branche auf europäischer Ebene für einen herstellerbasierten Fonds zur Entschädigung betroffener Entsorger.

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Auch halten Sachsens Entsorger für Lithiumbatterien ein Pfandsystem, wie es bereits bei Autobatterien zum Einsatz kommt, für sinnvoll.

Titelfoto: Bildmontage: Niko Mutschmann//LeipzigFireFighter//Thomas Türpe

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