Von Tanja Vedder
London (England) - Die wegen des Iran-Kriegs stark gestiegenen Öl- und Gaspreise lassen die Gewinne bei Shell weiter sprudeln. Der Energiekonzern verdiente nach eigenen Angaben vom Donnerstag im zweiten Quartal so viel wie seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht mehr.
Der bereinigte Nettogewinn sprang auf 9,8 Milliarden US-Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor, wie Shell in London mitteilte. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen von Analysten und auch den Wert von 6,9 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal deutlich. An der Börse kam das gut an.
Die Aktie zog am Mittag knapp ein Prozent an und baute damit das Kursplus in diesem Jahr auf rund ein Viertel aus. Die Shell-Papiere legten in diesem Jahr in etwa so stark zu wie die des britischen Konkurrenten BP.
Noch stärker als die Papiere der beiden Unternehmen stieg der Kurs der Anteile des französischen Ölkonzerns Totalenergies. Diese verteuerten sich seit Ende 2025 um 35 Prozent. Damit zählen die Ölwerte in diesem Jahr zu den stärksten Titeln im europäischen Standardwerteindex Stoxx 50.
Neben höheren Öl- und Gaspreisen profitierte Shell vor allem von einem starken Handels- und Raffineriegeschäft. Der Konflikt im Nahen Osten beschert den großen Ölkonzernen derzeit einen kräftigen Schub, da die zusätzlichen Erträge aus Handel und Raffinerien die Belastungen durch mögliche Liefer- und Produktionsausfälle deutlich überwiegen.
Blick in Richtung zukünftiges Wachstum
Shell kündigte ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über 3 Milliarden Dollar an und setzt zugleich auf den weiteren Abbau der Nettoverschuldung. Die Kosten sanken derweil im ersten Halbjahr um weitere 700 Millionen Dollar - seit 2022 seien inzwischen Einsparungen von 5,8 Milliarden Dollar erreicht, hieß es.
Nach Jahren des Sparens, der Verschlankung des Konzerns und hoher Ausschüttungen an die Aktionäre richtet sich der Blick der Investoren an der Börse nun aber zunehmend auf das künftige Wachstum. Konzernchef Wael Sawan will Shells langfristige Öl- und Gasreserven wieder ausbauen und die Basis für die Förderung der kommenden Jahre sichern.
Im April hatte Shell hierzu die Übernahme des kanadischen Energiekonzerns ARC für 16,4 Milliarden Dollar angekündigt, die im dritten Quartal abgeschlossen sein soll.
Damit dürfte das Wachstum in der Produktion bis zum Jahr 2030 auf 4 Prozent jährlich steigen, teilte der britische Ölmulti weiter mit. An den Ausgabeplänen für dieses Jahr ändert das Shell-Management derweil nichts: Für 2026 sind weiterhin Investitionen von 24 bis 26 Milliarden Dollar vorgesehen.