U-Boot-Deal mit Kanada steht! Deutsche Werft erhält Auftrag für rund 62 Milliarden Euro
Von Carsten Hoffmann
Halifax (Kanada) - Milliardenauftrag aus Kanada vor dem Nato-Gipfel: Der Kieler Marineschiffbauer TKMS soll bis zu zwölf U-Boote nach Nordamerika liefern. Wie Premierminister Mark Carney (61) in Halifax mitteilte, setzt Kanada auf eine Zusammenarbeit mit Deutschland.
Der deutsche Hersteller stach bei dem Geschäft, das Arbeitsplätze an der Ostseeküste sichert, einen südkoreanischen Konkurrenten aus.
Die Bundesregierung hatte sich mit Blick auf die gemeinsame Abschreckung Russlands sowie die Sicherheitslage im Atlantik und der Arktis wiederholt für das Geschäft starkgemacht. Allein Verteidigungsminister Boris Pistorius (66, SPD) reiste mehrfach zu Gesprächen nach Kanada, zuletzt im Mai.
Für TKMS ist es der größte U-Boot-Auftrag in der Unternehmensgeschichte. Kanada erhält von der Werft U-Boote des Typs 212CD. Dieses Modell haben Deutschland und Norwegen für die gemeinsame Nutzung entwickelt.
"Wir wollen Seite an Seite für Sicherheit sorgen im Nordatlantik, dem hohen Norden und ja auch der Arktis", hatte Pistorius beim Besuch einer kanadischen Rüstungs- und Sicherheitskonferenz erklärt. Dabei geht es um den Schutz von Kommunikations- und Handelswegen über den Atlantik sowie möglichen Nachschubrouten des Bündnisses.
Auftragsvolumen soll sich auf rund 62 Milliarden Euro belaufen
Der SPD-Politiker sagte aber auch: "Es geht um eine strategische Partnerschaft mit Kanada." Im Hintergrund laufen Gespräche über umfangreiche Gegengeschäfte als Teil eines Gesamtpakets, das die deutsch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen stärken soll.
Kanada bezieht bisher rund 80 Prozent seiner Militärgüter aus den USA. Das Verhältnis ist aber seit dem neuerlichen Amtsantritt von US-Präsident Donald Trumps schwer belastet.
Zum Auftragsvolumen machten weder Kanada noch TKMS Angaben. Dies dürfte sich nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aber allein für die U-Boote inklusive Service auf rund 20 Milliarden Euro belaufen. Wartung und Betrieb eingerechnet gehe es für die nächsten Jahrzehnte um ein Finanzvolumen von 100 Milliarden kanadischen Dollar (rund 62 Mrd. Euro), berichteten kanadische Medien.
TKMS zählt zu einem der weltweit führenden Unternehmen im Bau nicht nuklear betriebener U-Boote. Nach früheren Angaben von TKMS will Kanada die ersten neuen Boote spätestens 2035 in Betrieb nehmen. Zuletzt hatte sich aber angedeutet, dass eine erste Auslieferung früher erfolgen könnte.
Neue Boote sollen mit jeweils 30 Besatzungsmitgliedern fahren
Die High-Tech-Boote will die Werft sowohl am Stammsitz in Kiel als auch in der zweiten Werft in Wismar in Mecklenburg-Vorpommern bauen. Dort will das Unternehmen bis zu 1500 Arbeitsplätze schaffen. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 9100 Beschäftigte, darunter rund 3300 in Kiel.
Durch die Bestellung erhöht sich die Zahl der Aufträge für die neue Klasse 212CD auf 24. Für Deutschland und Norwegen baut die Werft bereits jeweils sechs U-Boote.
Deutschland nutzt aktuell sechs U-Boote der Vorgängerklasse 212A, die 56 Meter lang sind. Die neuen U-Boote werden dagegen etwa 72 Meter lang sein. Die neue Klasse verfügt über eine verbesserte Sensorik für die Erkennung möglicher Gegner unter und auf dem Wasser.
Die Boote sollen mit jeweils 30 Besatzungsmitgliedern fahren. Sie sind laut TKMS speziell für den Einsatz in der Arktis und unter Eis ausgelegt.
Erstmeldung 6. Juli, 16.19 Uhr, Update 22.43 Uhr
Titelfoto: Montage: Kay Nietfeld/dpa, Marcus Brandt/dpa

