Letzter Wunsch eines Schwerkranken: Noch ein Mal ein Pferd streicheln

Hamburg/Wesselburen - Der ASB-Wünschewagen schenkt Menschen in ihrer letzten Lebensphase Glück und Freude. Für den 82-jährigen Edzard Riek ging es noch einmal zum Pferdehof "Sunny-Ranch".

Helfer des ASB bringen Edzard Riek mit dem Wünschewagen zum Pferdehof.
Helfer des ASB bringen Edzard Riek mit dem Wünschewagen zum Pferdehof.  © dpa/Carsten Rehder

Für die meisten Menschen steht ihr letzter Wunsch fest: noch ein Mal das Meer sehen. Bei Edzard Riek ist das anders.

Der ehemalige Westernreiter möchte noch einmal dorthin, wo das Liebste in seinem Leben war: zu den Pferden.

Deshalb ist der Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) jetzt unterwegs zum Pferdehof "Sunny-Ranch" in Wesselburen (Kreis Dithmarschen).

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Auf der Pferderanch hat der heute 82-Jährige zahlreiche glückliche Stunden erlebt: auf dem Rücken der Pferde, als Turnierrichter bei Western-Reitturnieren oder einfach nur als Besucher.

Der alte Mann mit den weißen, langen Haaren und dem vergilbten Bart ist nicht sehr gesprächig.

Die erste Fahrt mit dem Wünschewagen musste schon abgesagt werden, weil es dem 82-Jährigen nicht gut ging und er ins Krankenhaus musste.

Schon vor Jahren hatte er mehrere Schlaganfälle, ist halbseitig gelähmt und sitzt im Rollstuhl.

Wünschewagen-Projekt lebt von Spenden

Den Wünschewagen gibt es seit zwei Jahren in Hamburg.
Den Wünschewagen gibt es seit zwei Jahren in Hamburg.  © dpa/Roland Weihrauch

Aber nun geht es ihm besser und die beiden ehrenamtlichen Helfer können ihn am Ruckteschell-Heim in Hamburg-Eilbek abholen und mitsamt seinem Rollstuhl in den Wünschewagen - einen umgebauten Rettungswagen - verladen.

Ob er sich freut, noch einmal Pferde zu sehen? Der 82-Jährige nickt nur mit dem Kopf, sprechen möchte er nicht so gerne.

Eine Freundin hatte für ihn beim Wünschewagen-Team angefragt.

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"Obwohl es den Wünschewagen schon seit zwei Jahren in Hamburg gibt, ist er noch nicht überall bekannt", sagt Sascha Köpke, einer der beiden ehrenamtlichen Helfer.

Seit einem Jahr begleitet der Altenpfleger aus Kiel todkranke Menschen auf ihrer letzten Fahrt. "Die meisten Menschen möchten noch ein Mal das Meer sehen", sagt der 43-jährige Rettungssanitäter.

Seit 2014 erfüllt das aus Spenden finanzierte bundesweite Projekt schwerstkranken Menschen einen besonderen Herzenswunsch und fährt sie gemeinsam mit ihren Familien und Freunden noch einmal an ihren Lieblingsort.

Hundebesuch brachte Riek dazu, sich zu öffnen

Ute Abraham erinnert sich mit Edzard Riek an die gemeinsame Zeit auf dem Pferdehof.
Ute Abraham erinnert sich mit Edzard Riek an die gemeinsame Zeit auf dem Pferdehof.  © dpa/Carsten Rehder

Auf dem Hof wartet schon Besitzerin Ute Abraham auf Riek. Die beiden kennen sich von zahlreichen Turnieren, haben sich aber lange nicht gesehen.

Behutsam nähert sich die 56-Jährige ihrem alten Freund. "Hier müsstest Du Dich gut auskennen. Das war unser Abreiteplatz", erzählt sie und zeigt dem 82-Jährigen den Hof.

Als sich die kleine Gruppe den Pferden nähert, die auf der Koppel weiden, blüht der alte Mann richtig auf.

Auf die Frage, welche Rasse denn sein eigenes Pferd gehabt hat, spricht er zum ersten Mal und macht sogar einen Witz: "Ein Some-Horse. Some of this und some of that."

Dazu gekommen ist auch Christina Koeplin. Die junge Frau aus Hamburg hat Riek im Altenheim kennengelernt. Dort ist sie mit ihrer Cocker-Spaniel-Hündin Frieda im Rahmen des Hundebesuchsdiensts regelmäßig vorbeigekommen.

"Als er Frieda gesehen hat, hat er sich geöffnet und von seinem Leben erzählt", berichtet die junge Frau.

Endlich kann er ein letztes Mal ein Pferd streicheln

Ute Abraham, Betreiberin der "Sunny-Ranch", erfüllt dem 82 Jahre alte Edzard Riek einen Herzenswunsch mit dem Besuch auf dem Pferdehof.
Ute Abraham, Betreiberin der "Sunny-Ranch", erfüllt dem 82 Jahre alte Edzard Riek einen Herzenswunsch mit dem Besuch auf dem Pferdehof.  © dpa/Carsten Rehder

So habe sie auch vom Westernreiten erfahren - bis dahin wussten noch nicht einmal die Mitarbeiter im Pflegeheim, dass Riek ein leidenschaftlicher Reiter gewesen ist. Koeplin hatte dann nachgefragt, ob die Fahrt zur "Sunny-Ranch" möglich sei.

Als Riek auf der Wiese neben dem Lagerfeuerplatz eine braune Stute streicheln darf, ist das gewiss der emotionale Höhepunkt der Reise.

Leise kullert ihm eine Träne über das Gesicht.

Im "Saloon" geht es anschließend fröhlicher zu: Bei Kaffee und Kuchen erzählt Abraham von alten Zeiten, zeigt Fotos und Programmhefte von Turnieren, an denen Riek teilgenommen hat.

"Weißt Du noch, wie wir unsere nicht-offiziellen Turniere genannt haben? FFE, Abkürzung für Friede-Freude-Eierkuchen-Turniere", sagt sie lachend. Der Sieger habe immer einen Eierkuchen bekommen.

Nach zwei Stunden ist es Zeit für die Heimreise. Als Riek in den Wünschewagen geschoben wird, umarmt Abraham ihn noch ein letztes Mal. "Die schönen Erinnerungen kann uns keiner nehmen", sagt sie zum Abschied und winkt dem Wagen hinterher.

Titelfoto: dpa/Carsten Rehder

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