Pendler brauchen starke Nerven: So viel Zeit frisst der Schienen-Ersatzverkehr

Von Volker Danisch

Düsseldorf - Bahnreisende und Pendler müssen bei großen Bauarbeiten auf ihrer Strecke erheblich mehr Zeit einplanen: Der Schienenersatzverkehr mit Bussen auf der Straße benötigt in vielen Fällen die doppelte Zeit oder mehr als der ausfallende Zug, wie aus einer Analyse des Fahrgastverbandes Pro Bahn für ausgewählte Strecken im bevölkerungsreichsten Bundesland hervorgeht.

Dank des Schienenersatzverkehrs werden Pendler teilweise auf eine ziemliche Geduldsprobe gestellt.
Dank des Schienenersatzverkehrs werden Pendler teilweise auf eine ziemliche Geduldsprobe gestellt.  © Philip Dulian/dpa

Aktuell gesperrt ist die Verbindung zwischen Aachen und Mönchengladbach, auch wegen des Neubaus eines Stellwerks. Nach Mönchengladbach benötigt der RE4 von Erkelenz aus, wenn er fährt, nur 12 Minuten. Der SEV benötigt hingegen 32 Minuten.

"On top kommen bei Pendlern noch Verzögerungen durch Staus im Berufsverkehr dazu", sagt Thomas Probol, stellvertretender Vorsitzender Pro Bahn Nordrhein-Westfalen, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Am 6. Februar startet die Generalsanierung der besonders stark befahrenen Strecken Köln – Wuppertal – Hagen. Die Einschränkungen gelten auch für die Städte entlang der Achse, darunter Leverkusen, Leichlingen und Solingen, zählt Probol auf.

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"Hier wird über rund ein halbes Jahr hinweg immer wieder für fünf S-Bahnlinien und vier regionale Linien ein Ersatzverkehr eingerichtet, insgesamt acht Wochen lang", fasst er zusammen. Im restlichen Zeitraum seien die S7 und zwei regionale Linien betroffen.

Worauf müssen Bahnreisende noch achten?

Ein zusätzlicher Zeitverlust entsteht für Bahnpendler durch mehr benötigte Umsteige und relativ weite Wege zwischen der SEV-Haltestelle und dem Bahnhof.
Ein zusätzlicher Zeitverlust entsteht für Bahnpendler durch mehr benötigte Umsteige und relativ weite Wege zwischen der SEV-Haltestelle und dem Bahnhof.  © Roberto Pfeil/dpa

"Zwischen Wuppertal und Hagen zum Beispiel benötigt der Zug nur 23 Minuten, der SEV-Bus dagegen 52 Minuten. Von Wuppertal Hbf nach Düsseldorf Hbf fährt der Zug 21 Minuten, der Bus benötigt ganze 55 Minuten, ohne Stauzuschlag natürlich", rechnet er die Folgen für Fahrgäste vor. Auf dieser Strecke sind werktäglich Zehntausende Pendler betroffen.

Ein zusätzlicher Zeitverlust entstehe durch mehr benötigte Umsteige und relativ weite Wege zwischen der SEV-Haltestelle und dem Bahnhof. "In Düsseldorf legt man locker über drei Minuten zurück", verdeutlicht Probol.

Der Schienenersatzverkehr ist nach den Worten von Probol häufig nur ein Notnagel, da er schon planmäßig deutlich länger braucht als die zügige Zugfahrt.

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"Es gibt zu wenig Ausweichstrecken an Rhein und Ruhr. Mit diesen ließen sich intelligentere Ersatzkonzepte erstellen, die auch nicht so langsam wären wie der Bus", macht der Verbandsvertreter deutlich.

Welche Auswirkungen hat der SEV auf das Straßennetz?

Wer mit dem Schienenersatzverkehr unterwegs ist, muss deutlich mehr Zeit einplanen.
Wer mit dem Schienenersatzverkehr unterwegs ist, muss deutlich mehr Zeit einplanen.  © Friso Gentsch/dpa

Die Generalsanierung der Pendlerstrecke Hagen-Wuppertal-Köln könnte nach Ansicht des ADAC für eine zusätzliche Belastung auf den Autobahnen zwischen Ruhrgebiet, Bergischem Land und Rheinland sorgen. Betroffen wären insbesondere die A1 und A46 sowie die A3.

"Die Einschränkungen im Bahnverkehr überschneiden sich mindestens bis März 2026 mit der bis dahin zeitgleich laufenden Sanierung der A3 zwischen dem Kreuz Hilden und dem Kreuz Langenfeld", sagt ADAC-NRW-Sprecher Thomas Müther. Gerade auf diesem Abschnitt ist das Staurisiko bereits sehr hoch.

Parallel sei nach wie vor die A59 von Düsseldorf in Richtung Leverkusen gesperrt. Auf der A1 sorgten Baustellen rund um das Kreuz Wuppertal-Nord und den Bereich der Leverkusener Brücke für eine hohe Staugefahr. Das gelte auch für die vielen Baustellen auf der A46 im Wuppertaler Stadtgebiet.

"Die A3 zwischen Oberhausen und Köln sowie die A1 zwischen Dortmund und Köln zählen genau wie die A46 zwischen Wuppertal und Düsseldorf zu den staugeplagtesten Autobahnabschnitten in Nordrhein-Westfalen", betont er.

Titelfoto: Philip Dulian/dpa

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