Wochenlang warten? NRW will Patienten schneller zum passenden Arzt lotsen
Von Dorothea Hülsmeier
Düsseldorf - Die Krankenkassenbeiträge steigen, Patienten warten teils wochenlang auf Facharzttermine und der Ärztemangel wird sich absehbar verschärfen. NRW sucht nach Lösungen.
Vor diesem Hintergrund hat Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) detaillierte Reformvorschläge für eine effizientere und verbindliche Steuerung von Patienten durch das Gesundheitssystem gemacht.
Kern des 15-Punkte-Plans aus NRW ist der Ausbau der bundesweiten kostenfreien Rufnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigungen zu einer ersten Anlaufstelle.
Telefonisch oder über die Website sollen Patienten eine Ersteinschätzung etwa bei einem Infekt oder akuten Schmerzen erhalten und bei der Terminvermittlung gesteuert werden.
Über die 116 117 soll geprüft und verbindlich entschieden werden, ob eine Behandlung nötig ist, wie dringend sie ist und welche Art von Praxis geeignet ist.
Nicht erforderlich soll sie bei Behandlungen von chronischen Erkrankungen oder für Vorsorgeuntersuchungen sein.
So sollen Arztpraxen in NRW künftig entlastet werden
Ergänzend dazu sollen sogenannte Primärversorgungspraxen - gemeint sind vor allem die Hausarztpraxen - dem NRW-Plan zufolge Patienten steuern, behandeln und wenn nötig in Facharztpraxen überweisen.
Die Ersteinschätzung kann also auch am Praxistresen erfolgen. Dabei sollen die Ergebnisse verbindlich sein. Patienten sollen die Ärzte und Praxen aber weiterhin frei wählen können.
Arztpraxen sollen dem Plan zufolge durch Bürokratieabbau entlastet werden und neue Berufe, wie die der ärztlichen Assistenten (Physician Assistants) entwickelt werden. Sie sollen Aufgaben von Ärzten übernehmen und zum Beispiel auch einfache Erkrankungen behandeln dürfen.
Auch die Vergütung der ärztlichen Leistungen sollte nach Ansicht Laumanns grundlegend geändert werden, um Fehl- und Mengenanreize zu vermeiden. Um dem Ärztemangel entgegenzuwirken, sollten Zulassungsverfahren für Ärzte beschleunigt werden.
Das Eckpunktepapier ist im Austausch mit Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) Kassen, Ärztekammern und Hausärzten entstanden.
Titelfoto: ---/GKV-Spitzenverband/dpa

