Satire am Limit: Düsseldorfer Karnevalswagen sorgen weltweit für Aufsehen
Von Frank Christiansen
Düsseldorf - Dreimal Putin, zweimal Trump: Diesmal wurden die Düsseldorfer Rosenmontagswagen mit besonderer Spannung erwartet, weil Wagenbauer Jacques Tilly aktuell von der russischen Justiz verfolgt und mit einem Prozess überzogen wird.
Dennoch ist das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin (73) gleich dreimal auf den 13 Motivwagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug vertreten: Einmal steuert er eine blaue Drohne mit der Aufschrift AfD.
Ein weiterer Motivwagen zeigt Donald Trump (79) und Putin, die Europa verspeisen. Der dritte Putin-Wagen nimmt die juristische Verfolgung Tillys ins Visier: Ein grimmig dreinschauender Putin spießt einen kleinen Karnevalsnarren mit dem Schwert auf.
Auch Donald Trump ist noch ein weiteres Mal präsent, mit seinem rechten Arm, der die Aufschrift der Spezialeinheit ICE trägt, schlägt er einer Jesus ähnlichen Figur ins Gesicht, die die Aufschrift "Liebe und Menschlichkeit" trägt.
Die bissig-satirischen politischen Motivwagen sind das Markenzeichen des Düsseldorfer Rosenmontagszugs. Fotos der Wagen von Karnevalswagenbauer Jacques Tilly gehen regelmäßig um die Welt.
Social Media, Renten, Mieten: Die Themen unserer Gegenwart
Die Social-Media-Debatte hat Tilly und sein Team inspiriert: "Kindheit heute", das sind zwei Kinder, die auf ihre Handy-Displays starren und dabei alles andere als glücklich aussehen.
Jeffrey Epstein (†66) feiert im Rosenmontagszug eine dämonische "Wiederauferstehung" als Pappmaché-Figur mit Hörnern und Flügeln. Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59, CSU) sind ebenfalls mit von der Partie: Sie fahren einen Verbrenner in Form eines fossilen Dinosauriers, der längst zum Steinzeitskelett mutiert ist.
Der demografischen Entwicklung nimmt sich ein Mottowagen an, auf dem ein Baby einen Wagen voller Rentner bergauf ziehen muss und dabei gehörig ins Schwitzen kommt. Auf die Belastung junger Familien durch steigende Mieten weist ein Wagen hin.
Lokalkolorit hat der Senfwagen: Düsseldorf trauert dem Verlust seiner berühmten Senfmarken hinterher, die nicht mehr in der Landeshauptstadt produzieren.
Titelfoto: Federico Gambarini/dpa

