Es kann Euer Leben retten! Darauf solltet Ihr unbedingt achten, bevor der Notarzt kommt

Wiesbaden - Eine verborgene oder schwer lesbare Hausnummer kann Rettungseinsätze verzögern. Entsprechend raten Rettungsdienste Hauseigentümern und Mietern, ihre Nummern regelmäßig zu prüfen - ob sie etwa von Pflanzen überwuchert werden oder verdreckt sind.

Eine gut lesbare Hausnummer kann im Ernstfall Leben retten (Symbolfoto).
Eine gut lesbare Hausnummer kann im Ernstfall Leben retten (Symbolfoto).  © dpa/Nicolas Armer

Die Sprecherin des hessischen Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Gisela Prellwitz, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "In Einzelfällen kommt es vor, dass schlecht lesbare Hausnummern oder fehlende Namensschilder zu Schwierigkeiten führen, die Person, der geholfen werden muss, zu finden."

Prellwitz appellierte an die Bevölkerung, verschmutzte Schilder zu reinigen und gegebenenfalls zu beleuchten. Bei Notarzteinsätzen komme es auf jede Minute an, Verzögerungen könnten für Patienten gefährlich werden, bestätigte Ulf Weyer. Er ist Regionalvorstand der Johanniter-Unfall-Hilfe Hessen-West.

Seiner Einschätzung nach sind im Schnitt zehn Prozent der Hausnummern-Schilder nicht lesbar oder sie fehlen ganz. "Das ist generell ein Problem, insbesondere in der dunklen Jahreszeit", bestätigte Saskia Schimpf, Sprecherin des Johanniter-Landesverbandes Hessen-Rheinland-Pfalz-Saar.

Immer wieder erschwerten fehlende, von Sträuchern überwucherte oder auch "kreativ gestaltete" Hausnummern die Arbeit der Rettungsfahrer.

"Wenn jemand seine Hausnummer in römischen Ziffern darstellt, ist das erst einmal kein Problem, aber wenn der Rettungsdienst unter Zeitdruck anrückt, stellt das einen zusätzlichen Zeitfaktor dar und verzögert den Einsatz", erklärte Schimpf.

Kreative Hausnummern sind generell kein Problem, können im Ernstfall aber auch Zeit kosten

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) appellierte inständig an die Bevölkerung, für eine gut sichtbare Hausnummer zu sorgen (Symbolfoto).
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) appellierte inständig an die Bevölkerung, für eine gut sichtbare Hausnummer zu sorgen (Symbolfoto).  © 123RF/Norman Krauss

Johanniter-Regionalvorstand Weyer war selbst viele Jahre als Rettungssanitäter im Einsatz. Er sagte, fehlende Hausnummern und Namen könnten einen Rettungseinsatz um bis zu zehn Minuten verzögern.

Wenn der Fahrer eines Einsatzwagens den Einsatzort nicht finde, kontaktiere er die Leitstelle, die wiederum Kontakt mit der Person aufnehme, die den Notruf abgesetzt habe. "Diese Verzögerung kann je nach Art des Einsatzes gefährlich werden."

Oft fehlten Hausnummern etwa in Neubaugebieten, in denen die Bauherren noch keine Schilder am Rohbau angebracht hätten, sagte Weyer. "Gerade auf Baustellen kann viel geschehen, ich habe damals unsere Hausnummer mit Farbe auf die Wand gesprüht", erzählte er.

Einen Trend kann er indes nicht erkennen, wenngleich die fehlenden Hausnummern immer wieder Thema seien. Das ist beispielsweise auch in Kassel der Fall, wo die dortige CDU in einem Antrag ein "Konzept zur Umsetzung der Erkennbarkeit von Hausnummern" fordert.

Beim hessischen Städtetag ist das Thema ebenfalls bekannt, auch wenn Direktor Stephan Gieseler darauf hinweist, dass es bis jetzt immer auf Verwaltungsebene gelungen sei, dieses zu lösen.

Auch bei der Post gibt es keine Zustellung "auf Verdacht"

Je besser alle notwendigen Gegebenheiten sind, umso eher können die Rettungskräfte vor Ort sein und helfen (Symbolfoto).
Je besser alle notwendigen Gegebenheiten sind, umso eher können die Rettungskräfte vor Ort sein und helfen (Symbolfoto).  © 123rf/Jörg Hüttenhölscher

"Die Menschen haben doch selbst Interesse daran, dass ihr Haus gefunden wird, falls der Notarztwagen kommt." Und doch: Insbesondere in anonymen Mehrfamilienhäusern in Großstädten fehlen immer mal wieder Nummern.

Auch Postzusteller benötigen klar erkennbare Nummern, denn es gibt "keine Zustellung auf Verdacht", wie Post-Sprecher Stefan Heß in Frankfurt am Main betonte. Insbesondere Aushilfen könnten Briefe und Pakete nicht zustellen, wenn nicht zweifelsfrei feststehe, um welches Haus es sich handele.

In größeren Städten komme es durchaus vor, dass die Nummern fehlten. Heß, der seit 1980 bei der Post arbeitet, geht aber nicht davon aus, dass dies zugenommen hat. Gleichwohl schicke die Post immer wieder Mitarbeiter zu betroffenen Eigentümern, um für eine korrekte Beschilderung zu sorgen.

Dazu sind Eigentümer verpflichtet, wie das hessische Innenministerium mitteilte. Kontrolliert werde dies von den Ordnungsämtern der Kommunen.

Probleme oder Beschwerden seien der Polizei nicht bekannt, sagte ein Ministeriumssprecher.

Titelfoto: dpa/Nicolas Armer

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