Fahrschulen in der Krise: Schüler hoffen auf Politik und weniger Kosten
Von Dörthe Hein
Magdeburg - In den gut 300 Fahrschulen in Sachsen-Anhalt sind die Anmeldezahlen Verbandsangaben zufolge teils deutlich zurückgegangen.
"Viele Fahrschulen berichten von Einbrüchen von bis zu 70 Prozent - ein Ausmaß, das in dieser Form bisher nicht zu beobachten war", heißt es in einem Positionspapier des Fahrlehrerverbandes Sachsen-Anhalt.
"Diese Entwicklung ist für zahlreiche Betriebe wirtschaftlich hochproblematisch." Ursache sei die starke Unsicherheit, die durch die geplante Reform der Fahrausbildung ausgelöst worden sei.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (57, CDU) hatte im vergangenen Oktober Reformvorschläge für eine kostengünstigere Fahrausbildung vorgelegt - die Folge ist nun: Viele potenzielle Fahrschüler warten ab, bis der Führerschein möglicherweise günstiger wird.
Für einen Pkw-Führerschein der Klasse B werden laut Ministerium derzeit im Schnitt rund 3400 Euro fällig. Der Weg zum Führerschein solle einfacher und bezahlbarer werden, bei weiterhin höchsten Sicherheitsstandards.
Geplant sind etwa Vereinfachungen und digitale Lösungen für die theoretischen und praktischen Teile. So soll die Pflicht zum Präsenzunterricht abgeschafft und Wissen digital über Apps oder Lernplattformen vermittelt werden können.
Verpflichtende Sonderfahrten - wie auf Autobahnen oder Überlandfahrten - sollen reduziert werden. Es soll die Möglichkeit geschaffen werden, diese Fahrten teilweise in einem Simulator zu absolvieren. Die Fahrlehrer halten davon wenig.
Kleinen Betrieben auf dem Land fehlen die Reserven
Deutschlandweit haben Fahrschulen mit dem Trend zu kämpfen. Eine bundesweite Umfrage des Verbands Moving International Road Safety Association unter rund 2400 Fahrschulen im Januar ergab: 84 Prozent der Befragten meldeten seit November 2025 einen Rückgang der Führerschein-Neuanmeldungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - der durchschnittliche Rückgang liege bei rund 54 Prozent.
Konkrete Schließungen von Fahrschulen seien bislang nicht bekannt, so der Fahrlehrerverband Sachsen-Anhalt.
"Aber viele Fahrschulen arbeiteten derzeit unterhalb ihrer wirtschaftlichen Belastungsgrenze." Fahrzeuge, Versicherungen, Personal, Energie und Mieten müssten weiter finanziert werden, während die Einnahmen drastisch zurückgingen.
Besonders kleinere Betriebe im ländlichen Raum verfügten oft nicht über ausreichende finanzielle Reserven, um solche Einbrüche über längere Zeit abzufedern.
Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer verlieren den Angaben zufolge aber ihre Arbeitsplätze oder sehen sich gezwungen, ihre bisherigen Fahrschulen zu verlassen und in andere Betriebe zu wechseln, die noch über ausreichende Auslastung verfügen, heißt es im Positionspapier weiter.
"Eine Modernisierung der Fahrausbildung ist sinnvoll und notwendig, jedoch nicht durch die Absenkung von Standards, die sich über Jahrzehnte bewährt haben", so der Landesvorsitzende Nuthmann.
Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

