Giftige Altlasten im Dach: Was beim 15,6-Millionen-Umbau des Lutherhauses ans Licht kommt

Von Bernd Lähne, Inga Jahn

Wittenberg - Das ehemalige Wohnhaus von Reformator Martin Luther in Wittenberg wird derzeit grundlegend umgestaltet. "Mit der energetischen Sanierung werden wir ein stabiles Raumklima schaffen", sagte der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, Thomas Müller.

Derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen: das Lutherhaus.
Derzeit wegen Sanierungsarbeiten geschlossen: das Lutherhaus.  © Jan Woitas/dpa

Trockenbauer, Zimmerleute, Energietechniker und Heizungsmonteure sind vor Ort, um in den derzeit leeren Räumen noch bis voraussichtlich Mitte nächsten Jahres zu arbeiten.

Luther wurde 1483 in Eisleben geboren und kam als Mönch Anfang des 16. Jahrhunderts nach Wittenberg. Das heutige Lutherhaus war ab 1511 für 35 Jahre der Lebensmittelpunkt für ihn und seine Familie.

Heute befinden sich im Lutherhaus historische Objekte, die durch den Umbau in Zukunft besser geschützt sein sollen.

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Bund, Land und Stiftung fördern das Vorhaben finanziell. Rund 15,6 Millionen Euro soll das Projekt, das auch mehr Barrierefreiheit vorsieht, insgesamt kosten.

Im Dachgeschoss wurde schon mit der Dämmung begonnen. "Besonderes Augenmerk gilt dort der Schadstoffbelastung der teils jahrhundertealten Deckenbalken, die bei Dachsanierung Anfang der 1980er Jahre mit toxischen Holzschutzmitteln behandelt wurden", erklärte Projektleiter Tobias Espinosa.

Außerdem müsse im Zuge der Arbeiten eine mehr als 500 Jahre alte Mauer hinter dem ehemaligen Direktorenhaus gesichert werden. Der in den 1930er Jahren errichtete Zweckbau wurde vor einigen Monaten abgerissen.

Nun soll ein Neubau folgen, in dem Räume für Veranstaltungen und Büros sowie für das Archiv entstehen sollen.

Besonderheiten des Umbaus und neue Möglichkeiten

Der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten Thomas T. Müller zeigt den freigelegten Fußboden.
Der Direktor der Stiftung Luthergedenkstätten Thomas T. Müller zeigt den freigelegten Fußboden.  © Jan Woitas/dpa

Auch soll in den kommenden Monaten ein neuer Eingangsbereich mit einer Klimaschleuse entstehen. "Das Foyer wird wesentlich großräumiger als bisher und ergänzt durch einen Museumsshop", beschrieb Müller die Pläne.

Ein so geschichtsträchtiges Gebäude stecke voller Überraschungen, sagte Espinosa. Bei Untersuchungen im Erdgeschoss des Lutherhauses haben Archäologen historischen Fußboden aus dem 16. Jahrhundert gefunden. "Auf diesen Steinen könnte durchaus der Reformator gestanden haben", sagte Müller.

Die im ersten Obergeschoss befindliche Lutherstube soll unverändert bleiben. Sie wurde 1535 im Auftrag von Luthers Ehefrau Katharina gebaut.

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Neue Dauerausstellungen bringen zudem frischen Wind rein: Im ersten Obergeschoss sollen Luther und der Thesenanschlag im Mittelpunkt stehen, in der zweiten Etage die weltgeschichtlichen Folgen.

Luther verfasste während seiner Zeit in Wittenberg seine berühmten 95 Thesen und entwickelte seine reformatorischen Ideen. Das Haus hatte er als Geschenk vom sächsischen Kurfürsten bekommen.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa

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