Millionenlücke bei der Harzer Schmalspurbahn: Droht jetzt das Aus?
Von Christopher Kissmann
Wernigerode - Angesichts der Millionenlücke bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) fordert Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens (61, FDP) vom Unternehmen zügig ein Konzept, wie vor allem laufende Kosten gesenkt werden können.
Alles in Kürze
- Millionenlücke bei Harzer Schmalspurbahn droht
- Infrastrukturministerin fordert Konzept zur Kostensenkung
- Sanierung von Streckennetz und Fahrzeugen nötig
- HSB haben in den letzten Jahren Millionendefizite eingefahren
- Ziel ist es, die HSB zu erhalten mit Einsparungen

"Ich halte die Harzer Schmalspurbahnen für ein wichtiges Element im Harz", sagte Hüskens. "Ich möchte gerne, dass das Zukunft hat." Allerdings: "In der Zukunft können wir nicht sagen, wir finanzieren jedes Defizit."
Das Streckennetz und die Fahrzeuge der vor allem bei Touristen beliebten Harzer Schmalspurbahnen müssen umfassend saniert werden. Dafür ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein dreistelliger Millionenbetrag nötig.
Die HSB hatten dazu ein Gutachten erstellen lassen, das mögliche Handlungsoptionen betrachten sollte. Darin werden auf knapp 300 Seiten auch Streckenschließungen und ausgedünnte Fahrpläne diskutiert.
Aufsichtsratschef Thomas Balcerowski (53, CDU) sagte am Donnerstag nach einer Sitzung des Aufsichtsrats, dass die Existenz der HSB möglicherweise infrage stehe, wenn es keine zusätzlichen Mittel von den Ländern gebe.
Infrastrukturministerin Hüskens sieht die HSB derzeit dagegen nicht akut gefährdet. "Ich sehe nur akuten Handlungsbedarf."
Infrastrukturministerin zu HSB-Problemen: "Sehe akuten Handlungsbedarf"

Unter anderem wegen stark gestiegener Energie- und Personalkosten fuhren die HSB in den vergangenen Jahren teils Millionendefizite ein: 2023 waren es laut Geschäftsbericht 2,4 Millionen Euro, im vergangenen Jahr nach Medienberichten sogar 5,6 Millionen Euro.
Bereits in den ersten sechs Monaten dieses Jahres liegt das Defizit nach Angaben des Aufsichtsrats wieder bei rund 4 Millionen Euro.
Die Geschäftsführung der Harzer Schmalspurbahnen sei daher beauftragt worden, bis Ende September einen genauen Wirtschafts- und Investitionsplan vorzulegen, sagte der Aufsichtsratschef und der Landrat des Landkreises Harz, Balcerowski. Es sei dann die Frage, wer die Defizite ausgleiche, betonte er in Richtung des Infrastrukturministeriums.
Ministerin Hüskens will diese Pläne abwarten. Ziel sei es, die HSB zu erhalten. Es müsse aber wirklich kritisch geschaut werden, welche Möglichkeiten der Einsparungen es gibt.
Titelfoto: Bildmontage: Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa,