Landesweit erste Grabung in ehemaligem KZ-Außenlager in Sachsen-Anhalt durchgeführt
Von Thomas Schöne
Walbeck – Zum ersten Mal ist der Bereich eines ehemaligen KZ-Außenlagers in Sachsen-Anhalt systematisch archäologisch erforscht worden.
Im Oktober vergangenen Jahres habe es nahe Walbeck im Landkreis Börde eine zweiwöchige Forschungsgrabung im früheren Lager Walbeck-Weferlingen gegeben, teilte das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit. Das Lager ist ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Thüringen.
Das Lager war im August 1944 in der Nähe des ehemaligen Kalischachts "Buchberg" am Lappwald eingerichtet worden.
Während der Grabung seien nun vor allem die Standorte der Baracken sowie das Umfeld des Lagers mit angrenzendem Tagebau untersucht worden, hieß es.
Dabei konnten Baustrukturen, Reste von Sperranlagen und zahlreiche persönliche Gegenstände der Häftlinge dokumentiert und gesichert werden.
Extreme Bedingungen für Häftlinge
Das Lager Walbeck-Weferlingen gilt als exemplarisch für mehrere im Zuge der unterirdischen Rüstungsverlagerung errichteten Lager in Sachsen-Anhalt. Die Funde ermöglichten nach Angaben der Archäologen neue Einblicke in die Lagerstruktur, den Alltag der Gefangenen und die Zeit nach der Befreiung.
Unter dem Decknamen "Gazelle" mussten die rund 500 männlichen Häftlinge des Lagers unter extremen Bedingungen unterirdische Produktionshallen für die Rüstungsindustrie ausbauen.
Am 12. April 1945 war das Barackenlager von US-amerikanischen Truppen befreit worden, Überlebende wurden medizinisch versorgt.
Gezielte archäologische Untersuchungen in solchen Lagern hat es den Angaben nach bislang noch nicht gegeben. Schriftliche Quellen haben den Archäologen nur begrenzte Einblicke in den Lageralltag ermöglicht, zudem war das Bodendenkmal durch wiederholte Raubgrabungen akut gefährdet.
Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen in Zukunft vor Ort der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Forschungen erfolgten demnach in Zusammenarbeit mit dem Verein für Walbecker Geschichte und Heimatpflege. Außerdem waren Studierende der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg daran beteiligt.
Titelfoto: Hannes P Albert/dpa

