Mehr als 1000 Jobs in Gefahr: Harzer Autozulieferer steht endgültig vor dem Aus

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Simon Kremer

Harzgerode/Wernigerode - Die Automobilzulieferindustrie im Harz erlebt an einem einzigen Tag einen doppelten Schlag: Sowohl beim insolventen Gießereispezialisten Bohai als auch bei der ebenfalls insolventen Schlote-Gruppe zeichnet sich nach Angaben der Insolvenzverwalter das Ende des laufenden Betriebs ab.

Hauptkunden der Automobilzulieferer und potenzielle Investoren konnten bislang keine Einigung erzielen. (Archivbild)
Hauptkunden der Automobilzulieferer und potenzielle Investoren konnten bislang keine Einigung erzielen. (Archivbild)  © Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa

Insgesamt seien damit über 1000 direkte Arbeitsplätze unter anderem an den Standorten in Harzgerode und Wernigerode gefährdet. Hinzu könnten weitere mehrere Hundert Stellen kommen, die indirekt mit den Unternehmen verbunden sind. 

Zwar sei mit drei potenziellen Interessenten über eine Übernahme von Bohai verhandelt worden, sagte Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann. Allerdings gebe es bis zum heutigen Tag keine Einigung.

Und das, obwohl das Land Sachsen-Anhalt, die Stadt Harzgerode und weitere Institutionen verbindliche Unterstützung für die Zukunft erklärt hätten. Ende vergangener Woche habe dann der Hauptauftraggeber mitgeteilt, dass wesentliche, bislang in Harzgerode und dem thüringischen Sömmerda gefertigte Teile, ab Herbst abgezogen würden. 

Drogen, Diebesgut und ein Ortsschild: Einbrecher fliegt bei Verkehrskontrolle auf
Sachsen-Anhalt Drogen, Diebesgut und ein Ortsschild: Einbrecher fliegt bei Verkehrskontrolle auf

Ohne diese Arbeit seien beide Standorte nicht überlebensfähig, sagte Spiekermann. Eine endgültige Entscheidung müssten die vier Gläubigerausschüsse vermutlich Ende der kommenden Woche treffen.

Bei Bohai arbeiten knapp 700 Beschäftigte. Von dem Aus des Unternehmens seien aber auch weitere 650 Arbeitsplätze bei Unternehmen in der Region betroffen, die wirtschaftlich mit Bohai verbunden seien.

Insgesamt seien über 1000 direkte Arbeitsplätze gefährdet. (Symbolbild)
Insgesamt seien über 1000 direkte Arbeitsplätze gefährdet. (Symbolbild)  © Julian Stratenschulte/dpa

Auch Werke in Thüringen und Brandenburg betroffen

Auch bei der insolventen Schlote-Gruppe hätten die Kunden dem Insolvenzverwalter mitgeteilt, dass sie die dort beauftragten Autoteile künftig von anderen Lieferanten beziehen würden, hieß es in einer Mitteilung des Insolvenzverwalters. Von dieser Entscheidung betroffen seien rund 330 Beschäftigte in den Werken von GAW Wernigerode, Schlote Harzgerode und Schlote Brandenburg

Die Fortführung des Betriebs sei von den Kunden und Auftraggebern sowohl bei Schlote als auch bei Bohai mit zweistelligen Millionenbeträgen unterstützt worden, um seit einem Jahr noch eine Rettung der beiden Unternehmen zu verhandeln, teilten die Insolvenzverwalter mit.

Auch bei der Schlote-Gruppe muss der Gläubigerausschuss noch zustimmen. Im Werk in Brandenburg an der Havel laufe die Produktion bereits aus. Das Werk werde voraussichtlich im Herbst geschlossen.

Titelfoto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa

Mehr zum Thema Sachsen-Anhalt: