Dessau-Roßlau - Der gewaltsame Tod der sechsjährigen Alicia Anfang Juni im Osternienburger Land hatte bundesweit für Bestürzung gesorgt. Noch höher schlugen die Wellen, als bekannt wurde, dass Hilfegesuche der Kita in einem stillgelegten E-Mail-Account eines Mitarbeiters des zuständigen Jugendamtes versandeten. Nun hat die Dessauer Stadtverwaltung erste Konsequenzen gezogen.
Wie der MDR berichtet, wurden dem Chef des Dessauer Jugendamtes Aufgaben entzogen. Die Leitung des allgemeinen sozialen Dienstes sei laut einer Sprecherin nun seiner Vorgesetzten übertragen worden. Zugleich kündigte man an, künftig die Verwaltungsabläufe verbessern und stärker kontrollieren zu wollen.
In einer Antwort auf eine Anfrage der AfD hatte die Landesregierung zuvor bestätigt, dass zumindest eine Meldung der Kita an die Stadt über eine Kindeswohlgefährdung nicht bearbeitet worden war. Die besagte E-Mail sei demnach, wie auch 473 weitere E-Mails, im Postfach eines Mitarbeiters gelandet, der längst aus dem Dienst ausgeschieden war.
Ein Auftrag zur Weiterleitung der Nachrichten sei nicht entsprechend umgesetzt worden, heißt es.
Laut der Landesregierung von Sachsen-Anhalt hatte sich die Mutter, wie bereits berichtet, mehrere Monate vor dem Tod ebenfalls mit einem Antrag auf Hilfe zur Erziehung an das Jugendamt gewandt.
Lebensgefährte der Mutter in Untersuchungshaft
Alicia (6) wurde am Vormittag des 7. Juni mit lebensbedrohlichen Wunden in eine Klinik eingeliefert und verstarb dort zwei Tage später.
Noch am selben Tag durchsuchte die Polizei die Wohnung des Partners der Kindsmutter und nahm diesen fest. Der 27-jährige Beschuldigte ist nicht vorbestraft, er sitzt seitdem in U-Haft.
Ärzte hatten bereits nach Einlieferung des Kindes schwerwiegende Verletzungen im Bereich des Kopfes festgestellt, die nicht auf einen Unfall zurückzuführen seien. Die vorläufigen Befunde einer später durchgeführten Obduktion bestätigten den Verdacht.
Alicia verstarb demnach an den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas. Zudem hatten die Mediziner weitere Verletzungen festgestellt, die auf die Einwirkung stumpfer Gewalt gegen den Körper hinwiesen.