Coswig/OT Köselitz - Lebende Ferkel werden auf den Boden geschlagen, ohne Narkose kastriert, erwachsene Schweine leben teilweise mit üblen Verletzungen in verdreckten Gehegen. Diese Beobachtungen machten Tierschutzaktivisten bei versteckten Recherchen in der Ferkelaufzucht "MADOMA GmbH" in Sachsen-Anhalt.
Aktivisten der Tierrechtsorganisation "Team Tierschutz gGmbH" haben monatelang verdeckt recherchiert und in dem Betrieb gefilmt.
Die dort entstandenen Bilder schockieren auch Experten, wie Madeleine Martin, Landestierschutzbeauftragte in Hessen, bei "Exakt - Das Nachrichtenmagazin" vom MDR erklärte.
"Dass Mitarbeiter in dem Betrieb sich heute noch hinstellen und die Tiere gegen den Boden hauen, das finde ich zutiefst verstörend", sagte die Veterinärmedizinerin. "Wer das heute noch so macht, handelt aus Rohheit und ist aus meiner Sicht reif für den Staatsanwalt."
Was die Recherche noch schockierender macht, ist die Personalie, die hinter der Ferkelaufzucht steht. Dorit Nyenhuis, die Mitbetreiberin der Anlage ist, ist auch Fachausschussvorsitzende im Bereich Schwein des Bauernverbands Sachsen-Anhalt und ein Bindeglied zur Politik.
Der Verband teilte gegenüber TAG24 mit, dass die Aufnahmen von zuständigen Stellen sorgfältig geprüft und bewertet werden müssen.
Die Aufnahmen der Aktivisten zeigen, wie sie sterbende Ferkel ignoriert, unsachgemäß und schmerzhaft hochnimmt und tatenlos zusieht, wie ein Mitarbeiter die Tiere an der Schnauze hochzieht. Eine TAG24-Anfrage ließ Nyenhuis unbeantwortet.
Verbraucher haben mehr für Tierwohl bezahlt
"Wer als moralische Stimme der Landwirtschaft agiert, während im eigenen Betrieb Ferkel rechtswidrig auf den Boden geschlagen werden und verletzte Sauen im Kot liegen, verliert jede Glaubwürdigkeit", sagte Samara Eckardt, Geschäftsführerin der Team Tierschutz gGmbH in einer Pressemitteilung.
Sie fordert den Rücktritt von Nyenhuis aus allen Ämtern des Bauernverbandes.
Die Ferkelaufzucht "MADOMA GmbH" äußerte sich gegenüber dem MDR schriftlich. Der Betrieb erklärte, dass das Verhalten nur von einem Mitarbeiter ausging und arbeitsrechtliche Konsequenzen gezogen wurden. Auch weitere Vorwürfe wies man zurück.
Zum Zeitpunkt der Recherche trug der Betrieb das Siegel der "INITIATIVE TIERWOHL". Damit werden Betriebe ausgezeichnet, die Tierwohlkriterien, die über die Mindestanforderungen hinausgehen, erfüllen. Im Gegenzug erhalten die Landwirte einen finanziellen Ausgleich, den Verbraucher im Supermarkt drauf zahlen.
Nach Konfrontationen mit dem Bildmaterial hat die Initiative die Nutzung des Labels vorerst untersagt.
Die Aktivisten sprechen von einem Behördenversagen und haben Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau erstattet.
Den Beitrag mit weiteren erschreckenden Bildern könnt Ihr bei MDR "Exakt vom 3. Juni" in der ARD Mediathek nachschauen.