Von Jakob Anders, Steffi Suhr und Erik Töpfer
Strehla/Riesa - Die Kleinstadt Strehla im Landkreis Meißen steht unter Schock: Am Donnerstagabend fielen mehrere Schüsse vor einem Vierseitenhof an der Riesaer Straße. Für Andre H. (†42) kam jede Hilfe zu spät. Drei Tatverdächtige wurden wenig später im nahegelegenen Riesa von Spezialeinheiten festgenommen und sitzen nun in Untersuchungshaft.
Anwohner alarmierten die Polizei gegen 21 Uhr. Rettungskräfte fanden Andre mit Schusswunden in der Brust - "tödlich verletzt", wie Polizeisprecher Marko Laske (52) bestätigte.
Sofort wurde ein Großeinsatz eingeleitet. Mithilfe eines Hubschraubers konnten die Ermittler keine zehn Minuten später zwei Tatverdächtige in der Uthmannstraße in Riesa festnehmen. Ein dritte Festnahme folgte am Freitag.
Das Opfer war eines von insgesamt zehn Kindern einer einschlägig bekannten Familie im beschaulichen Strehla (3600 Einwohner). TAG24-Recherchen zufolge sollen einige Verwandte Kleinkriminelle sein, mit Verbindungen ins Drogenmilieu.
Bislang traurigster Höhepunkt: Andres Bruder Dirk versuchte im August 2007, einen Polizisten mit seiner Dienstwaffe zu erschießen. Das Dresdner Landgericht verurteilte ihn zu zehn Jahren Haft.
Nachbar spricht von Horrorhaus
Jetzt hat sich der Spieß wohl gedreht: Nach ersten Erkenntnissen wurde Andre von Alexander S. (41) nach einer Prügelei vor Ort erschossen. Wieso der Streit derart eskalierte und woher die Waffe kam, blieb am Freitag offen.
Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich aus "ermittlungstaktischen Gründen" nicht weiter äußern. Alexander soll von einem 37-Jährigen zum Tatort chauffiert und angestiftet worden sein.
Gemeinsam seien sie dann zu Patrick L. (36) gefahren, der die Waffe verschwinden lassen sollte. Alle drei sitzen inzwischen in U-Haft. Ihnen wird Totschlag, Beihilfe und Vereitelung vorgeworfen.
Einzig das Ehepaar im Haus nebenan zeichnet ein anderes Bild von Andre: "Er hat uns öfter geholfen, dafür hat er von uns auch mal einen neuen Anorak bekommen", erinnert sich Bernd Gölling, jahrelang Vorstand im hiesigen Karnevalsverein, betroffen.
"Ja, er war hilfsbereit", bestätigt seine Margit traurig. Doch schon der nächste Nachbar sagt im Hauseingang: "Sie sehen doch selbst. Das ist ein Horrorhaus..."