Aggression, Gewalt, Todesdrohungen: Im Osten steigt die "Feindseligkeit" gegen Journalisten

Von Sebastian Münster

Leipzig/Berlin - Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" beklagt eine zunehmende Feindseligkeit gegenüber Journalisten und Journalistinnen im Osten Deutschlands.

Besonders im Osten Deutschlands sehen sich Journalisten und Journalistinnen oft Anfeindungen ausgesetzt. (Symbolbild)
Besonders im Osten Deutschlands sehen sich Journalisten und Journalistinnen oft Anfeindungen ausgesetzt. (Symbolbild)  © Markus Scholz/dpa

Wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Bericht "Nahaufnahme: RSF-Report zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland" hervorgeht, gab es im vergangenen Jahr insgesamt fünfzehn verifizierte Angriffe auf Pressevertreter in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Sachsen liegt den Angaben zufolge mit neun Vorfällen hinter Berlin an zweiter Stelle. Sachsen-Anhalt belegt mit fünf belegten Attacken Rang drei. In Thüringen gab es laut Bericht einen belegten Vorfall.

In Berlin gab es 20 dokumentierte Angriffe. Das erklärten die Autoren auch damit, dass in der Bundeshauptstadt zahlreiche Medienhäuser ansässig sind.

Nutzungsvertrag gekündigt: Mini-Eisenbahner aus Königstein sind aus den Räumen geflogen
Sachsen Nutzungsvertrag gekündigt: Mini-Eisenbahner aus Königstein sind aus den Räumen geflogen

Für ihre Analyse hat die Organisation zudem weitere Studien ausgewertet: Demnach sind besonders Lokaljournalisten in Sachsen und Thüringen bei Recherchen im rechtsextremen Milieu "extremer Feindseligkeit" ausgesetzt. Nach einer Studie durch das "European Centre for Press and Media Freedom" und des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger berichteten zwei Drittel der Befragten "von körperlichen Angriffen, bis hin zu an die Privatadresse verschickten Gewalt- und Todesdrohungen".

Razzia nach Attacke auf Journalisten in Berlin

Infolge des rechten Gegenprotestes zum CSD in Bautzen wurden zwei Journalisten angegriffen.
Infolge des rechten Gegenprotestes zum CSD in Bautzen wurden zwei Journalisten angegriffen.  © DPA

Laut einem Forschungsprojekt der TU Dresden seien Berichte über rechtsextreme Montagsproteste in Ostdeutschland für Pressevertreter "nur unter erheblichem Risiko" möglich gewesen. Journalisten seien dafür auf Schutz durch private Sicherheitskräfte oder die Polizei angewiesen.

Nur noch wenige Journalisten und Journalistinnen würden sich "ohne ein solides Schutzkonzept zu Aktivitäten der rechtsextremen Szene" begeben.

Der Report erwähnt unter anderem einen Angriff auf zwei Journalisten in Berlin, nachdem diese im vergangenen August vom Christopher Street Day in Bautzen berichtet hatten. Dort hatte es rechte Gegenproteste gegeben.

Haben die Sachsen ihren Bierdurst verloren? Lage laut Brauerbund "dramatisch"
Sachsen Haben die Sachsen ihren Bierdurst verloren? Lage laut Brauerbund "dramatisch"

Im September hatte es deshalb eine Razzia in acht Wohnungen von mutmaßlichen Mitgliedern der rechtsextremistischen Gruppe "Deutsche Jugend voran" in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gegeben.

Titelfoto: Markus Scholz/dpa

Mehr zum Thema Sachsen: