Ausgrabungen in Sachsen: 3000 Jahre altes Musik-Instrument gefunden
Bad Düben - Was jahrtausendelang verborgen war, kommt jetzt spektakulär ans Licht.
In Wellaune (Nordsachsen) legen Archäologen eine Siedlung frei – so dicht, so gut erhalten und so rätselhaft, dass selbst Experten staunen. Zwischen klar erkennbaren Hausgrundrissen und außergewöhnlichen Funden wird Geschichte hier plötzlich sogar hörbar.
Während der Grabung zur Ortsumgehung stießen Forschende auf eine Sensation: mehr als 1900 Befunde, außergewöhnlich gut erhaltene Hausgrundrisse und eine Siedlung, die ihresgleichen sucht.
"Die Dichte der Bebauung und die Qualität der Erhaltung sucht ihresgleichen – das ist wie im Bilderbuch der Archäologie", sagt Grabungsleiterin Kathrin Balfanz (60). Tatsächlich zeichnen sich die Grundrisse der sogenannten Wandgräbchenhäuser im Boden so klar ab, "als wären sie gemalt".
Die Siedlung reicht zurück bis etwa 1200 v. Chr. Menschen lebten hier in Langhäusern, betrieben Vorratshaltung und hinterließen zahlreiche Spuren ihres Alltags.
"Wir haben unheimlich viele Vorrats- und Siedlungsgruben voller Keramik gefunden", erklärt Balfanz. Besonders erstaunlich: ganze Gefäße und fein verzierte Becher aus der Jungbronzezeit.
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1400 Jahre später wurde der Ort erneut besiedelt
Ein Highlight sorgt sogar für Gänsehaut: eine vollständig erhaltene Tonrassel (ein Musikinstrument), rund 3000 Jahre alt. "Normalerweise kennt man solche Stücke eher aus Gräbern – hier lag sie einfach in einer Siedlungsgrube", so Balfanz.
Ein seltener Fund, der neue Fragen aufwirft.
Doch damit nicht genug: Rund 1400 Jahre später wurde der Ort erneut besiedelt. "Spannend sind die Überlagerungen – dass an einem Ort zu unterschiedlichen Zeiten immer wieder gebaut wurde", erklärt Referatsleiterin Saskia Kretschmer (49).
Keramik mit typischer Rollrädchenverzierung belegt die Nutzung in der römischen Kaiserzeit. Die Forscher sind noch längst nicht fertig. "Wir erwarten weitere Siedlungsreste", sagt Kretschmer mit Blick auf den nächsten Grabungsabschnitt.
Titelfoto: Bildmontage: Stefan Häßler

