Ausstellung würdigt Sachsens IT-Wiege Robotron
Leipzig - Mikrochip Goes Art: Der Erfolg der sächsischen Halbleiterindustrie im "Silicon Saxony" in und um Dresden kommt nicht von ungefähr. Mit ihren Wurzeln im größten Industriekombinat der DDR beschäftigt sich die Ausstellung "Robotron. Code und Utopie".
Die Schau beleuchtet in chronologischer Reihenfolge einzelne Kapitel aus der Geschichte des VEB Robotron, dessen Zentrale zwar in Dresden ihren Sitz hatte, deren Betriebe sich aber über die gesamte DDR verteilten.
Im Mittelpunkt stehen Kurzgeschichten aus der Robotron-Historie, die die ausgestellten Kunstwerke illustrieren.
Wer weiß denn heute noch, dass ein Teil des Robotron-Erfolgs auf der Arbeit der Staatssicherheit basierte? So überredete die Stasi in den 1980er-Jahren den japanischen Chiphersteller Toshiba, Pläne und Bauteile trotz Embargo in die DDR zu schmuggeln.
Damit gelang Forschern die Entwicklung eines 1-Megabit-Chips, der 1988 feierlich an Erich Honecker übergeben wurde.
Die Japaner ließen sich auch mit Meissener Porzellan bezahlen, was die Rotterdamer Künstlerin Antye Guenther (45) zu ihrem Werk "Operation ZWIEBELMUSTER" inspirierte.
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Interessenten sollte sich beeilen: Bald endet die Ausstellung in Leipzig
Die taiwanesische und in Berlin lebende Künstlerin Su Yu Hsin (36) steuert eine Video-Trilogie zur Ausstellung bei, in der sie die Spuren von TSMC, des größten Chipherstellers der Welt, von Taiwan über die USA bis nach Dresden-Gittersee verfolgt.
Dort sollte Ende der 80er-Jahre ein Wismut-Werk im Rahmen des Mikroelektronikprogramms der DDR in einen Betrieb zur Herstellung von Reinstsilizium umgewandelt werden.
Proteste von Anwohnern verhinderten den Plan. TSMC baut in Kooperation mit Bosch, Infineon und NXP derzeit eine neue Mikrochipfabrik für 10 Milliarden Euro im Norden von Dresden.
Die Schau versammelt Werke von über 20 Künstlern, darunter bekannte Namen wie A.R. Penck, Werner Tübke oder Helga Paris.
Wer sie sehen will, muss sich beeilen: "Robotron", Galerie für Zeitgenössische Kunst, Karl-Tauchnitz-Str. 9-11, Leipzig. Die Ausstellung läuft nur noch bis 22. Februar. Danach wird sie in Dortmund gezeigt.
Titelfoto: Fotomontage/picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/IMAGO/SZ

