Branche in Sorge: Immer weniger Obst aus Sachsen

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Borthen - Die Obstanbau-Betriebe Deutschlands schlagen Alarm: Die Bundesrepublik kann ihren Obst-Hunger immer weniger selbst stillen. Die Betriebe warnen vor wachsender Import-Abhängigkeit.

Süße Früchtchen schmecken am besten frisch vom Feld.
Süße Früchtchen schmecken am besten frisch vom Feld.  © dpa/Julian Stratenschulte

Sachsen besitzt innerhalb Deutschlands das drittgrößte geschlossene Obstanbaugebiet. Hauptkulturart ist hierzulande der Apfel, gefolgt von Kirschen und Erdbeeren. Seit Jahren schrumpfen aber die Anbauflächen – Sachsen liegt damit voll im Bundestrend.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) lag der Selbstversorgungsgrad 2024 bei Äpfeln in Deutschland nur noch bei 48,7 Prozent und für Erdbeeren bei 40,6 Prozent.

Jede zweite in Deutschland konsumierte Erdbeere und jeder zweite Apfel stammen aus dem Ausland. Zum Vergleich: Die Bundesrepublik ist überversorgt bei Fleisch (120 Prozent), Milch (106  Prozent) und Kartoffeln (145 Prozent).

Tanken missachten 12-Uhr-Regel: Minister macht Jagd auf die Regelbrecher in Sachsen
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Bei Obst insgesamt sind es dagegen nur noch 18 Prozent und bei Gemüse 40 Prozent.

Veränderungen bei Erdbeerernte spürbar

Nächste Woche startet in Sachsen offiziell die Erdbeerernte.
Nächste Woche startet in Sachsen offiziell die Erdbeerernte.  © dpa/Julian Stratenschulte

"Der heimische Obst- und Gemüsebau gehört damit zu den am stärksten unter Druck stehenden Bereichen der deutschen Landwirtschaft", berichtet Carmen Stefanie Kaps.

Sie ist Geschäftsführerin des Obstbauverbandes Sachsen/Sachsen-Anhalt. Schuld daran sind vor allem die massiv gestiegenen Produktionskosten der vergangenen Jahre und insbesondere die Erhöhung des Mindestlohns.

Die Branche treibt die große Sorge um, dass immer mehr Obstbaubetriebe aufgeben könnten. Beim Erdbeeranbau sind die Veränderungen bereits spürbar.

Diese A4-Ausfahrt wird morgen voll gesperrt
Sachsen Diese A4-Ausfahrt wird morgen voll gesperrt

Übrigens: In Sachsen wird die Erdbeerernte offiziell am Dienstag nach Pfingsten in Zittau eingeläutet.

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Brauchen wir immer alles? Ein Kommentar von Pia Lucchesi

Carmen Stefanie Kaps (40) ist Geschäftsführerin vom Obstbauverband Sachsen & Sachsen-Anhalt. Die gute Apfelernte 2025 ließ sie strahlen.
Carmen Stefanie Kaps (40) ist Geschäftsführerin vom Obstbauverband Sachsen & Sachsen-Anhalt. Die gute Apfelernte 2025 ließ sie strahlen.  © Marko Förster

Äpfel aus Chile. Tomaten aus Marokko. Erdbeeren aus Griechenland. In den Frische-Abteilungen des Lebensmittelhandels herrscht Multikulti. Das kann man bejubeln. Oder bedauern.

Es ist selbstverständlich geworden, dass uns das ganze Jahr über Obst und Gemüse aus aller Herren Länder ernährt. Schlimm ist in diesem Zusammenhang aber, dass die permanente Verfügbarkeit sämtlicher Obst- und Gemüsesorten nicht mehr hinterfragt wird.

Deutsche Landwirte haben im internationalen Wettbewerb mit vielen Nachteilen zu kämpfen: höhere Produktionskosten, verschärfte Umweltgesetze, Bürokratie und Standards, die man im Ausland nicht kennt oder achtet.

Der Druck auf die deutschen Erzeuger verschärft sich von Jahr zu Jahr. Es ist also kein Wunder, dass sich diese Sparten der Landwirtschaft auf dem Rückzug befinden.

TAG24-Reporterin Pia Lucchesi kommentiert.
TAG24-Reporterin Pia Lucchesi kommentiert.  © Holm Röhner

Ebenso verwundert es nicht, dass Deutschland seinen Bedarf an Obst und Gemüse schon lange nicht mehr selbst decken kann.

An dieser Stelle darum noch einmal ein Hoch auf die regionale Lebensmittel-Produktion! Sie sichert vor Ort Wertschöpfung, Existenzen, Jobs und Kulturlandschaften.

Durch kurze Transportwege wird Energie gespart. Qualitativ hochwertige Produkte aus heimischer Landwirtschaft zeichnen sich oft durch Frische und Geschmacksintensität aus.

Wer die heimischen Bauern unterstützen will, muss rasch handeln. Die Politik sollte dafür sorgen, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Betriebe tragfähig sind.

Jeder einzelne Mensch sollte sich beim Einkaufen bewusst machen, wofür er sich entscheidet.

Titelfoto: Marko Förster

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