Brutale Statistik: Rechte Gewalt bleibt in Sachsen auf hohem Niveau
Dresden - Sachsens Opferberatungsstellen sind in Sorge: Die rechtsextreme Gewalt blieb in Sachsen 2025 auf hohem Niveau. Dazu kommen Gegenden, in denen Neonazis mittlerweile das Klima prägen. Ob es so bleibt, hängt viel vom Umgang damit ab.
Kein Anlass zur Entspannung: "Wir haben einen leichten Rückgang von elf Prozent bei den Angriffen", sagt Magdalene Schlenker (44), Sprecherin des Vereins "RAA Sachsen", der rechtsextreme Gewalt dokumentiert und Opfer berät.
"Dafür waren mit 456 Angegriffenen zehn Menschen mehr davon betroffen." Die Zahlen der RAA Sachsen unterscheiden sich von denen des Innenministeriums, da der Verein einfache Körperverletzungen, Nötigungen, Bedrohungen und auch nicht angezeigte Attacken mitzählt. Wenig überraschend gab es in den Großstädten Leipzig mit 51, Dresden mit 50 und Chemnitz mit 38 besonders viele Angriffe.
Im ländlichen Raum zeigt sich eine beunruhigende Entwicklung: Im Landkreis Bautzen zählten die Opferberater 42 Attacken: "Bautzen liegt hier inzwischen auf Großstadtniveau", sagt RAA-Geschäftsführerin Andrea Hübler (45).
Rechnet man die Angriffe auf die Einwohnerzahl herunter, landet die Stadt Chemnitz mit 15,5 pro 100.000 Einwohner auf dem ersten Platz, gleich dahinter der Landkreis Bautzen mit 14,4 Attacken.
Widerstand in der Bevölkerung
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Bei beiden Kommunen gibt es aber Unterschiede: "Die hohen Zahlen in Chemnitz stammen zum Großteil aus dem ersten Quartal", sagt Hübler. "Dort wurde früh reagiert seitens der Ermittlungsbehörden, aber auch der Zivilgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung."
So folgten nach dem Angriff der "Chemnitz Revolte" auf die Bar "Balboa" Razzien, aber auch Sozialarbeit an den Treffpunkten der zwischenzeitlich aufgelösten Gruppe. Das Schattenbeispiel dazu sei der Landkreis Bautzen, wo es vonseiten des Landratsamtes zu wenig Einsatz gebe.
Hier regt sich jedoch Widerstand aus der Bevölkerung: "Wir machen keine Gegenmobilisierung", sagt Stefanie Schwerk (44), die unter anderem den "Happy Monday" mitorganisiert.
"Wir machen Kulturveranstaltungen, wollen einen Gegenentwurf zum braunen Kornmarkt darstellen." In Bautzen nicht ganz ungefährlich: Wechselsachen, Schleichwege und der Blick über die Schulter gehörten mittlerweile zum Alltag, um sicher wieder nach Hause zu kommen.
Titelfoto: Archiv

