Dank finanzieller Hilfe aus Sachsen: Jetzt gibt's den "Grünen Daumen" für Jedermann

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Chemnitz - Wer ihn nicht hat, kann ihn jetzt kaufen - den sprichwörtlichen Grünen Daumen. Das Händchen für Pflanzenpflege und Gartenarbeit steckt dabei in einem Sensor, der Pflegehinweise für Pflanzen ausplaudert - von Gießen bis Düngen. Immer zur richtigen Zeit. Mit Geld aus Sachsen wurde das Sensor-Start-up für Gartenfreunde aufgepäppelt. Jetzt verhindert es zehntausendfach, dass Zimmer-, Balkon- und Gartenpflanzen ihre Köpfchen hängen lassen.

Steckte im Laufe der Jahre eine Million Euro in ihren "Babysitter für Pflanzen": FYTA-Gründerin Claudia Nassif (50) mit einem handelsüblichen Sensor-Package.
Steckte im Laufe der Jahre eine Million Euro in ihren "Babysitter für Pflanzen": FYTA-Gründerin Claudia Nassif (50) mit einem handelsüblichen Sensor-Package.  © PR

Sie lässt Blumen sprechen. Claudia Nassif (50) gibt Pflanzen mit ihrem Start-up FYTA eine Stimme. Zu trockener Boden, zu dunkler Standort, zu viel Hitze oder zu kalt und zu wenige Nährstoffe in der Erde - all das "erzählen" ihr die Pflanzen.

Alle Gewächse sprechen dabei eine gemeinsame Sprache - egal, ob Geranien auf dem Balkon, Zierpflanzen im Wohnzimmer oder Obst und Gemüse im Garten.

Herzstück des Pflanzengeflüsters ist ein smartes System ausgeklügelter Universalsensoren. Das wird wie ein Fieberthermometer einfach in die Erde gesteckt oder an die Pflanze gehängt.

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Dort misst es permanent gleich mehrere Vitalparameter. "Wir erfassen Bodenfeuchtigkeit, Nährstoffgehalt, Umgebungstemperatur, Luftfeuchtigkeit sowie Lichtintensität und -dauer", erklärt Nassif.

Idee kam Gründerin beim Blumengießen

FYTA bewarb sich sogar in der "Höhle der Löwen": Nach einem Wettbieten wollten Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler eine Million Euro für zehn Prozent der Anteile investieren, doch der Deal platzte.
FYTA bewarb sich sogar in der "Höhle der Löwen": Nach einem Wettbieten wollten Carsten Maschmeyer und Janna Ensthaler eine Million Euro für zehn Prozent der Anteile investieren, doch der Deal platzte.  © PR

Die Daten werden dann via Bluetooth oder im WLAN an eine App auf dem Smartphone gesendet und ausgewertet. "Das passiert individuell für derzeit 4800 verschiedene Pflanzenarten", erklärt Nassif.

Am Ende spuckt die App konkrete Handlungsempfehlungen für die Pflanzenliebhaber aus: Du musst gießen! Jetzt musst Du düngen! Achtung, die Pflanze steht an einem zu schattigen Ort! Oder sie alarmiert punktgenau, wenn der Rasensprenger anzuschalten ist. Nicht zu früh, das spart Wasser. Eine integrierte KI-Fotoanalyse erkennt sogar Krankheiten an gelblichen Blättern und welken Blüten.

Die Idee kam beim Blumengießen. "Die Zimmerpflanzen in meiner Wohnung sind immer wieder eingegangen, obwohl ich sie gut goss", erzählt Nassif. Mit dem permanenten vorzeitigen Pflanzentod wollte sie sich nicht länger zufriedengeben.

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So ersann sie den "Fitnesstracker" für Zimmer- und Gartenpflanzen. "Innerhalb von nur drei Monaten gründete ich dafür 2018 die Firma FYTA - viel zu früh, wie ich heute weiß. Denn es gab nur meine Idee, aber noch kein Produkt. Dann kam auch noch Corona und hat die Firma praktisch lahmgelegt."

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Entwicklung eines serienfähigen Sensor-Prototyps

Dank FYTA hat jetzt jeder einen Grünen Daumen: Der Sensor wird einfach in den Blumentopf gesteckt.
Dank FYTA hat jetzt jeder einen Grünen Daumen: Der Sensor wird einfach in den Blumentopf gesteckt.  © PR

Erst 2021 konnte schließlich Gründerkapital eingeworben werden. "Wir hofften auf 1,5 Millionen Euro, erhielten in der ersten Fundraising-Runde knapp 300.000 Euro", erinnert sich Nassif. "Ich investierte schließlich auch eigenes Geld, sodass wir mit einem Gründerkapital von 600.000 Euro starten konnten."

Woher kommt eigentlich der Firmenname? "Aus dem Griechischen, Fyto bedeutet Pflanzen", erklärt Nassif.

2022 erblickte ein serienfähiger Sensor-Prototyp das Licht der Welt, wurde "Beam" getauft. FYTA stellte Biologen, Datenwissenschaftler und sogenannte Embedded Engineers ein, die an Schnittstellen zwischen Sensoren und Software forschen.

"Bisher übliche Sensoren waren teuer und schwer zu handhaben. Sie lieferten nur Daten, konnten sie aber nicht auswerten", sagt Nassif. Beam konnte es besser.

Anpassung von Datenanalyse notwendig

"Pflanzen sind komplexe Lebenswesen, nicht alle sind gleich": Deshalb hat in der FYTA-App auch jede ihr eigenes Profil - derzeit knapp 4800.
"Pflanzen sind komplexe Lebenswesen, nicht alle sind gleich": Deshalb hat in der FYTA-App auch jede ihr eigenes Profil - derzeit knapp 4800.  © PR

Doch manche Kunden hinterließen schlechte Bewertungen. Sie bemängelten, dass der Sensor zu wenig Licht signalisierte, obwohl ihre Pflanzen in Wintergärten und Südfenstern zur Sonne gewandt standen. Mehr Licht ging nicht.

Das Team stand vor einem Rätsel, fand heraus: Schuld war das Glas! "Es filtert bestimmte Lichtwellen heraus, die die Pflanzen zur Photosynthese brauchen", erklärt Nassif. Die Datenanalyse wurde angepasst, unzufriedene Kunden zogen schlechte Bewertungen zurück. Stattdessen beschwerten sie sich bei den Herstellern von Wintergärten.

Aktuell sind knapp 45.000 sendende Sensoren im Einsatz (Einzelpreis: ab 29,90 Euro). Inzwischen arbeiten zehn feste Angestellte für das Start-up. Jahresumsatz 2025: eine Million Euro.

Nassif: "Im zweiten Halbjahr wollen wir neue Mitarbeiter einstellen." Die neueste Generation des Pflanzen-Butlers ist leistungsfähiger, kann Daten über das Mobilfunknetz aus dem (Schreber-)Garten senden.

Kunden größtenteils männlich

Die Sensoren werden über die Website des Start-ups vertrieben: Die meisten FYTA-Kunden sind zwischen 33 und 65 Jahre alt, 82 Prozent davon männlich.
Die Sensoren werden über die Website des Start-ups vertrieben: Die meisten FYTA-Kunden sind zwischen 33 und 65 Jahre alt, 82 Prozent davon männlich.  © PR

Eine FYTA-Auswertung hat ergeben, dass sich dank des Sensors offenbar mehr Männer um Pflanzenpflege zu Hause oder im Büro kümmern.

"82 Prozent unserer Kunden sind männlich", weiß Nassif. Und FYTO rettet Leben.

Durch Einsatz des Sensors kann die durchschnittliche Lebensdauer tropischer Zimmerpflanzen von durchschnittlich 15 Monaten um Jahre verlängert werden.

"Business Angel" lobt als Geldgeber das Potenzial

"Ich bin in einem knappen Dutzend Firmen investiert": Business Angel Alf Arnold (52) aus Chemnitz.
"Ich bin in einem knappen Dutzend Firmen investiert": Business Angel Alf Arnold (52) aus Chemnitz.  © privat

Einer der ersten FYTA-Geldgeber war Alf Arnold (52). Der Chemnitzer ist Geschäftsführer des Dachverbandes der Business Angels Deutschland (BAND) e.V. "Ich bin in Rabenstein in einem Elternhaus mit Gartenromantik aufgewachsen. Wir hatten Johannisbeeren in allen Farben, Heidelbeeren, Erdbeeren, Birnen, Boskop-Äpfel und Kirschen - sauer wie süß."

Da lag es nahe, dass er statt wie sonst seit 2016 zumeist in Softwarefirmen in den Pflanzen-Butler investierte: "Am Ende war es eine mittlere fünfstellige Summe."

Arnold vertraut der Start-up Gründerin, die jahrelang als Volkswirtin bei der Weltbank in Konfliktländern wie Afghanistan gearbeitet hat. Sie beherrsche die Materie des hochtechnischen Produkts und hatte leider "viele Gelegenheiten gehabt, die Firma vor die Wand zu fahren. Doch sie wendete Probleme der Start-up-Gründung immer wieder meisterhaft ab."

Also gut angelegtes Investorengeld? Arnold: "Erfolg zahlt sich später aus, aber man muss Firmengründern absolut vertrauen können." Inzwischen hat Arnold selbst zwei FYTA-Sensoren "zum Spaß und Ausprobieren" im Einsatz: "Das Produkt hat großes Potenzial, weil es sich weltweit vermarkten lässt."

Titelfoto: PR

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