Dresden - Die Zahl der Follower von Die Linke Sachsen in den sozialen Medien ist einer eigenen Auswertung zufolge im vergangenen Jahr am stärksten gewachsen. Die Datenbasis sei viel zu ungenau, kritisiert das BSW. Follower sind nicht gleichbedeutend mit Wählern, sagen Experten. Die mit großem Abstand meisten Follower hat die AfD.
Ausgewertet wurden die Social-Media-Kanäle Instagram, Facebook und TikTok zwischen dem 1. Februar und dem 17. Dezember 2025. Danach kam die Linke im Dezember auf 53.157 Follower und ein Plus von 26,8 Prozent, die CDU auf 22.130 Fans (+4,7 Prozent) und die SPD auf 12.910 Anhänger (-1,7). Den Grünen folgten 10.583 Internet-User (+5,9), dem BSW 4513 (+19,4).
Die meisten Follower verbuchte jedoch die AfD, nämlich genau 356.374 (+6,4). Damit ist der Abstand zu den zweitplatzierten Linken schlicht enorm. Aber Follower lassen sich im Internet kaufen, "Traffic" mithilfe von Bots, also automatisierten Computerprogrammen, generieren. "Wir nutzen keine Bots, sondern vertrauen voll und ganz der viralen Verbreitung unserer Inhalte", teilte die AfD auf TAG24-Anfrage mit.
Das Abschneiden der AfD verwundert Hans Vorländer (71), Direktor des Zentrums für Verfassungs- und Demokratieforschung der TU Dresden, nicht. Die Partei sorge insbesondere auf TikTok mit kurzen, provokanten Stücken für breite Aufmerksamkeit und halte durch die hohe Frequenz der Posts die Erregungsschwelle hoch.
"Ob dabei auch Bots eingesetzt werden, ist kaum zu überprüfen", meint er.
Kommunikationsforscher betont: "Follower nicht gleichbedeutend mit Wählerstimmen"
Deutlicher wird Simon Lübke (34) vom Institut für Kommunikation und Medienwissenschaft der Uni Leipzig. Er geht davon aus, dass bei einer so hohen Zahl von Followern auch Bots beteiligt sind. "Einer Partei zu folgen, heißt erst mal eigentlich nur: Ich interessiere mich für die Inhalte", sagt er.
Entscheidend sei dabei auch die Interaktion und die Aktivität der jeweiligen Partei. Die sächsische CDU erreicht dabei auf Facebook und Instagram regelmäßig mehrere 10.000 Personen. "Eine hohe Gefolgschaft auf Social Media ist aber nicht gleichbedeutend mit einer hohen Zahl von Wählerstimmen", so Lübke.
Für das BSW ist die Auswertung "methodisch unsauber", weil nicht transparent sei, welche Kanäle genau gemeint sind - Landesverband, Fraktion oder beides. Zudem nenne die Linke beim BSW nachweislich falsche Facebook-Zahlen (120).
Der BSW-Landesverband kommt nach eigenen Angaben auf der Plattform auf 296 Follower, die BSW-Landtagsfraktion auf 483. (Stand: 8. Januar 2026). Damit verzeichne das BSW ein deutlich höheres Wachstum (+36,8 Prozent).