Diese Erkrankung wird für Angehörige zur starken Belastung: Was kann man tun?

Meißen - Eine Erkrankung an Demenz kann nicht nur das Leben der Betroffenen auf den Kopf stellen, auch Angehörige stehen plötzlich vor riesigen Herausforderungen. Petra Dornblut vom Johanniter-Regionalverband Meißen/Mittelsachsen setzt deshalb auf präventive Maßnahmen.

Das Leben von Angehörigen verändert sich nach einer Demenz-Erkrankung schlagartig. Doch es gibt Möglichkeiten, sich besser auf den Ernstfall vorzubereiten. (Symbolfoto)
Das Leben von Angehörigen verändert sich nach einer Demenz-Erkrankung schlagartig. Doch es gibt Möglichkeiten, sich besser auf den Ernstfall vorzubereiten. (Symbolfoto)  © Daniel Naupold/dpa

"Über 60 Prozent der Älteren haben eine Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken", erklärte die Bereichsleiterin für Breitenausbildung, Ambulante Wohnformen und Pflegeberatung im Gespräch mit TAG24.

Dornblut verwies darauf, dass soziale Isolation oder der Rückgang kognitiver Aktivitäten eine Erkrankung begünstigen können. Gerade beim Renteneintritt, wenn das Gehirn nicht mehr täglich im Arbeitsalltag zur Höchstleistung getrieben wird, sei das Risiko hoch.

Doch was tun, wenn plötzlich die eigenen Großeltern oder Eltern an Demenz leiden? Das Problem bestehe laut Dornblut darin, dass sich Angehörige erst "relativ spät" Hilfe und Unterstützung suchen würden, wenn die Krankheit schon ihren Lauf genommen habe.

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Die seit 2021 bei den Johannitern aktive Bereichsleiterin rät deshalb zu einer frühzeitigen Aufklärung, bietet präventive Kurse für Angehörige an, um sie auf den Ernstfall vorzubereiten und die Frage zu klären: "Was kommt auf mich zu?" Zu ihren Kursen, die die Krankenversicherungen zahlen, rät sie insbesondere der Altersgruppe 35 plus: "Damit man wenigstens schon mal davon gehört hat."

Warum? Weil man als Angehöriger im Grunde 24 Stunden am Tag mit der Erkrankung des Familienmitglieds konfrontiert sei.

Johanniter-Bereichsleiterin Petra Dornblut (l.) informiert in ihren Kursen über den Alltag mit Demenz.
Johanniter-Bereichsleiterin Petra Dornblut (l.) informiert in ihren Kursen über den Alltag mit Demenz.  © privat

"Damit man sich selbst als Mensch nicht verliert": Deshalb ist frühzeitige Aufklärung so wichtig

Im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche informiert der Johanniter-Regionalverband über den Alltag mit Demenz.
Im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche informiert der Johanniter-Regionalverband über den Alltag mit Demenz.  © Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Aus diesem Grund betonte Dornblut, wie wichtig es sei, sich als Angehöriger eines Demenz-Erkrankten "Möglichkeiten der Entlastung" zu schaffen und Pausen zu genehmigen: "Damit man sich selbst als Mensch nicht verliert."

Denn fallen die Familienangehörigen als Pflegekräfte im direkten Umfeld der Erkrankten weg, drohe der Kollaps des gesamten Pflegesystems, warnte sie.

Dornblut selbst verwaltet unter anderem ambulante Wohnformen in Radebeul und Riesa. An diesen Standorten seien die Johanniter im Moment personell zwar "gut aufgestellt", doch Personalbedarf bestehe immer.

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Insbesondere Pflege-Nachwuchskräfte seien schon jetzt dringend nötig, schließlich erreicht die Generation der "Babyboomer" (1950-1969) in diesen Jahren ihr Renteneintrittsalter - und damit jene Schwelle, bei der das Thema Demenz besonders an Relevanz gewinnt.

Im Rahmen einer bundesweiten Aktionswoche informieren die Johanniter am 20. und 23. September im Johanniter-Zentrum auf der Meißner Straße 80 in Radebeul deshalb über den Alltag mit Demenz. Dornblut wird ebenfalls vor Ort sein und einen Vortrag halten.

Weitere Informationen zur Veranstaltung findet Ihr unter: www.johanniter/meissen-mittelsachsen.de.

Titelfoto: Bildmontage: Daniel Naupold/dpa, privat

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