Diese Frau bringt Sachsens Skandal-Kloster endlich Frieden
Ostritz - Überflutung, drohende Pleite, Zoff um Verkaufspläne der Bibliothek und Schwesternknatsch - die letzten anderthalb Jahrzehnte waren für das Kloster St. Marienthal in Ostritz (Landkreis Görlitz) ziemlich turbulent. Inzwischen sind die Zisterzienserinnen wieder in ruhiges Fahrwasser gesegelt. Ein Verdienst der neuen Äbtissin Mutter Petra Articus (78), die sich als Friedensengel erweist.
Das Leben der Zisterzienserinnen im Kloster direkt an der Grenze zu Polen ist klar geregelt. Der Tag beginnt um 5 Uhr mit einem frühen Gebet in der Gemeinschaft, 7.30 Uhr folgt die Heilige Messe, danach das gemeinsame Frühstück.
Im Anschluss gehen die Schwestern der Arbeit nach, für die sie eingeteilt sind. Das Klosterleben folgt der Regel des Heiligen Benedikt und basiert auf dem Leitsatz "Ora et labora" (Bete und arbeite).
Stille und Schweigen gehören zu den Grundregeln - auch für Petra Articus, die das Kloster in Ostritz seit einem Jahr als Äbtissin leitet. Sie kam in schwierigen Zeiten. Die Schwesternschaft war zerstritten.
Die Alt-Äbtissin, die sich 2022 mit ihrem Ansinnen, Teile der historischen Bibliothek zur Finanzierung des Klosters auf dem freien Kunstmarkt veräußern zu wollen, viele Feinde gemacht hatte, war Anfang 2025 verbittert zurückgetreten.
Die Schwierigkeiten seien der Grund gewesen, warum sie gemeinsam mit einem Finanzexperten nach Ostritz kam, erzählt Mutter Petra Articus und nennt es "eine Berufung". Zuvor trug sie 23 Jahre als Äbtissin für das Kloster Seligenthal im bayerischen Landshut Verantwortung.
Neue Vorsteherin des Nonnenklosters wirbt für mehr junge Schwestern
Für ihren Einsatz ist man in Ostritz vollen Lobes. Georg Salditt (52) vom Internationalen Begegnungszentrum lobt, dass die neue Klosterchefin mit ihrer zugewandten und anpackenden Art schon nach kurzer Zeit viele Menschen für sich habe gewinnen können.
"Wir nehmen die Äbtissin Mutter Petra Articus als angenehme und kompetente Verantwortliche des Klosters wahr", sagt auch Bürgermeisterin Stephanie Rikl (32). "Ihr offenes und freundliches Wesen hilft ihr hoffentlich dabei, Frieden und Zuversicht der Schwestern untereinander zu fördern und deren Einheit zu stärken."
Im Unterschied zu ihrem alten Kloster in Bayern mit 135 Frauen ist die Gemeinschaft im fast 800 Jahre alten St. Marienthal überschaubar. In Ostritz leben nur zehn Nonnen, wovon sechs die Gelübde der Ewigen Profess abgelegt haben. Die jüngste Frau im Kloster ist Kandidatin Sindy - sie wird in diesem Jahr 22 Jahre alt. Die älteste ist 83.
Wichtig wäre, wieder mehr junge Schwestern in den eigenen Reihen zu haben - als eine Art Multiplikator für andere, sagt Articus. Sie wisse, dass Klöster ihrer Spiritualität treu bleiben und gleichzeitig mit der Zeit gehen müssen. Das bedeute, mehr Angebote etwa für Gottsuchende und Bildungskurse zu unterbreiten - und diese auch mit modernen Medien zu bewerben.
Titelfoto: Montage: Sebastian Kahnert/dpa (2)

