Erinnerung an Sachsens vergessene Katastrophe: 57 Tote nach Bergbau-Explosion

Oelsnitz/E. - Der 24. Januar 1921 zählt zu den dunkelsten Stunden des Bergbaus in Sachsen. 200 Bergleute waren an jenem Montag zur Frühschicht in den Friedensschacht in Oelsnitz im Erzgebirge eingefahren. Doch etliche Kumpel sahen die Sonne nie wieder.

Die Bergbaustadt Oelsnitz im Erzgebirge auf einer Postkarte um 1900.  © Imago

Einmal im Jahr versammeln sich Bergleute und Traditionsvereine auf dem Friedhof der Erzgebirgsstadt Oelsnitz, die gern mit ihrer Namensschwester im Vogtland verwechselt wird. Zum 105. Jahrestag der Grubenkatastrophe von 1921 wurde am Samstag der 57 Toten gedacht.

"Bedenkt man, wie viele der Opfer noch glücklich aus den Schützengräben des Krieges oder aus langer Gefangenschaft heimgekehrt waren, begreift man das Unglück als umso schwerwiegender", erläutert Heino Neuber (48), Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers.

Auch sein Urgroßonkel kam damals ums Leben. An jenem Wintermorgen hatte sich unter Tage Grubengas entzündet und so die Explosion ausgelöst.

Sachsen In Boxberg steht Deutschlands größtes Kraftwerk - noch

In den Abbauen habe wegen des austretenden Gases kontinuierlich Frischluft zugeführt werden müssen, erklärt Neuber. Doch der Ventilator sei bei Schichtbeginn außer Betrieb gewesen. Deshalb hatte sich hochexplosives Methan-Luft-Gemisch angesammelt.

Anzeige
Mitglieder der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlerevieres stehen vor einem Gedenkstein. Mit einer Kranzniederlegung erinnerten die Bergleute am Samstag an das schwere Grubenunglück von 1921.  © Sebastian Willnow/dpa

38 Bergleute starben direkt durch die Explosion, 19 weitere infolge ihrer Verletzungen

Heino Neuber (48) ist Vorsitzender der Knappschaft des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers - auch sein Urgroßonkel starb bei dem Unglück.  © Maik Börner

Wie es sich genau entzündete, konnte nie ganz geklärt werden. Am wahrscheinlichsten sei, dass ein Hauer versucht habe, seine Benzin-Sicherheitslampe zu reinigen und es beim Öffnen dieser zur Explosion kam, vermutet Neuber.

Den Rettern habe sich ein Bild des Grauens geboten. Zwischen etlichen Toten seien Verletzte in der Dunkelheit umhergeirrt.

Durch die Druckwelle umgeworfene Hunte und deformierte Gleise hätten die Wege unter Tage versperrt, wie Zeugen damals berichteten. 38 Bergleute starben direkt durch die Explosion, 19 weitere infolge ihrer schweren Verletzungen.

Sachsen Krise bei Sachsens Flughäfen: Warum Ost-Airports schwächeln, während andere wieder boomen

Laut Neuber wurden als Folge des Grubenunglücks Sicherheitsvorschriften verschärft. So waren Benzin-Sicherheitslampen fortan nur noch bestimmten Fachleuten vorbehalten, die Mannschaften wurden mit elektrischen Lampen ausgerüstet. "Zudem hatte man Ventilatoren an Orten mit Neigung zu Grubengasaustritten ständig in Gang zu halten."

Mehr zum Thema Sachsen: