Die letzten Handschuhmacher arbeiten im Erzgebirge und teilen die gleichen Sorgen

Schneeberg/Stützengrün - Handschuhmacher? In Deutschland ist dieses Handwerk fast ausgestorben! Zwei der letzten ihrer Art arbeiten im Erzgebirge. Beide fertigen echte Maßarbeit an - der eine modisch, der andere medizinisch.

Aus bis zu 30 Einzelteilen besteht ein Handschuh – dafür wird Lederhaut zurechtgeschnitten.
Aus bis zu 30 Einzelteilen besteht ein Handschuh – dafür wird Lederhaut zurechtgeschnitten.  © Ralph Kunz

Nils Bergauer (42) führt in Schneeberg eine Familientradition fort. "Schon meine Vorfahren waren Handschuhmacher in Johanngeorgenstadt – seit 1876."

Die letzte war seine Oma. "Sie hat noch in Heimarbeit für meinen Meister gearbeitet." Sie bezahlte ihm auch sein erstes Paar gute Handschuhe. Bei seinem späteren Meister lernte er das Handwerk nebenbei, als Hobby. "So hatte ich immer Geschenke für Freunde und Familie."

Heute ist er selbstständig und fertigt seit 2012 Handschuhe für Oldtimer-Fahrer, Reiter, Fechter, Filmproduktionen oder Bälle.

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Tot ist der Handschuh für ihn nicht: "Mittlerweile gibt es immer mehr Designer-Anfragen. Es ist individueller, wenn ein Handschuh zur Designlinie dazu gehört."

Nils Bergauer (42) zeigt die Stanzeisen für Handschuhe.
Nils Bergauer (42) zeigt die Stanzeisen für Handschuhe.  © Ralph Kunz
So kann ein Handschuh für Contergan-Geschädigte aussehen.
So kann ein Handschuh für Contergan-Geschädigte aussehen.  © Ralph Kunz

Handschuhmacher kein eigenständiger Ausbildungsberuf

Rico Wappler (52) arbeitet mit vier Näherinnen an orthopädischen Handschuhen.
Rico Wappler (52) arbeitet mit vier Näherinnen an orthopädischen Handschuhen.  © Ralph Kunz

Ganz anders sein Kollege Rico Wappler (52). Mode interessiert ihn wenig. "Es macht mir mehr Freude, Handverletzten zu helfen."

Er stellt orthopädische Handschuhe für Menschen mit Spalthand, Contagan-Schäden oder verlorenen Fingern her. Jeder Handschuh ist ein Unikat, gefertigt nach Gips- oder 3-D-Druck-Modellen.

"Personen, die tagtäglich arbeiten, legen Wert darauf, dass der Handschuh richtig anliegt." Andere Kunden wollen lieber Phantom-Handschuhe, die etwa fehlende Finger imitieren.

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Doch Wappler näht nicht nur, er tüftelt auch: "Wir haben eine Kühltasche, wie eine Art Muff, für einen Patienten mit CRPS entwickelt." Die Nervenschädigung macht Betroffene extrem empfindlich gegenüber Kälte, Hitze und Wind.

Konkurrenten sind die beiden nicht. Sie teilen dieselben Sorgen: teures Leder, schwieriger Import, kaum Nachwuchs.

"Ich brauche nicht mehr Patienten, sondern mehr Näherinnen", sagt Wappler. Und hart fürs Handwerk: Der Handschuhmacher ist kein eigenständiger Ausbildungsberuf mehr.

Titelfoto: Bildmontage: Ralph Kunz (2)

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