"Freie Sachsen"-OB im Erzgebirge? Politik-Experte: "Wäre erschreckendes Signal für Region"

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Aue/Chemnitz - Das war ein politischer Paukenschlag! Am Sonntag setzte sich Stefan Hartung (36) von den rechtsextremen "Freien Sachsen" bei der OB-Wahl in Aue-Bad Schlema (Erzgebirge) gegen seine Mitstreiter durch. Noch ist er nicht Oberbürgermeister - doch eine Stichwahl im Juni könnte das ändern.

Stefan Hartung (36, "Freie Sachsen") könnte nach der Stichwahl im Juni Oberbürgermeister von Aue sein.
Stefan Hartung (36, "Freie Sachsen") könnte nach der Stichwahl im Juni Oberbürgermeister von Aue sein.  © Maik Börner

"Das wäre ein erschreckendes Signal für die Region", sagt Politikwissenschaftler Prof. Eric Linhart (50) von der TU Chemnitz.

Wer ist Hartung? Auf seiner Internetseite präsentiert sich der 36-Jährige bürgernah: verheiratet, drei Kinder, eine erfolgreiche Ausbildung. Seit 2009 ist er politisch aktiv, lange für die NPD (heute: "Die Heimat"), später für die "Freien Sachsen".

Vom Verfassungsschutz wurden die "Freien Sachsen" als rechtsextremistische Partei eingestuft. Der Grund: Unter anderem strebt die Partei einen "Säxit" an.

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Zurück zu Hartung. Der 36-Jährige gibt sich vor allem in sozialen Medien gemäßigt, schießt zwar verbal immer wieder gegen die Migrationspolitik, sei allerdings nicht gänzlich gegen Zuwanderung.

In einem Video auf Facebook sagt Hartung, dass er niemals gegen Ausländer demonstriert habe, sondern gegen "politische Missstände". Deutschland brauche keine "Einwanderung in die Sozialsysteme", "sondern wenn, dann brauchen wir Zuwanderung ins Wirtschaftsleben, in den Arbeitsmarkt", sagt er.

Kurzum: Im Netz gibt er sich bürgerlich, rechts, konservativ - von Extremismus ist hier auf den ersten Blick nichts zu erkennen. Alles nur Show?

Das Phänomen, dass Rechtsextreme weniger radikal auftreten, kennt Politikwissenschaftler Prof. Linhart. "Das ist eine nicht unübliche Strategie, um an breitere Wählermassen anschlussfähig zu sein", sagt er.

Prof. Eric Linhart (50) von der TU Chemnitz weiß, dass Rechtsextremisten auch weniger radikal auftreten, um eine breitere Masse an Wählern anzusprechen.
Prof. Eric Linhart (50) von der TU Chemnitz weiß, dass Rechtsextremisten auch weniger radikal auftreten, um eine breitere Masse an Wählern anzusprechen.  © Uwe Meinhold

Stichwahl am 7. Juni: Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt

Wer wird neuer Oberbürgermeister in Aue? Am 7. Juni fällt die endgültige Entscheidung. (Symbolbild)
Wer wird neuer Oberbürgermeister in Aue? Am 7. Juni fällt die endgültige Entscheidung. (Symbolbild)  © Bodo Schackow/dpa

Wähler hat Hartung auf jeden Fall mobilisiert, seine Themen scheinen anzukommen. Am Sonntag holte er bei der OB-Wahl in Aue-Bad Schlema 29 Prozent und lag damit vor dem CDU-Kandidaten Marcus Hoffmann mit 23,6 Prozent.

Da niemand die absolute Mehrheit erreichte, geht es am 7. Juni ins Stechen. Dann gewinnt der Kandidat, der die meisten Stimmen hat.

Vermutlich werden andere Parteien den CDU-Kandidaten unterstützen, um einen Wahlsieg von Stefan Hartung zu verhindern.

So wohl auch die Linken. Sie kündigten an, mit CDU-Kandidat Markus Hoffmann ins Gespräch zu kommen.

Titelfoto: Bildmontage: Maik Börner, Uwe Meinhold

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