Politik-Beben in Sachsen: Verbünden sich CDU und Linke gegen rechtsextremen OB-Wahlsieger?

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Aue-Bad Schlema - Ein politisches Beben geht durch die Aue-Bad Schlema (Erzgebirge)! Bei der OB-Wahl am Sonntag holte der rechtsextreme Kandidat Stefan Hartung (36, Freie Sachsen) die meisten Stimmen. Weil er die absolute Mehrheit nicht erreichte, folgt Anfang Juni die Stichwahl. CDU, Linke und "Freie Wähler" sind alarmiert - können sie den endgültigen Sieg des rechtsextremen Kandidaten im Juni verhindern?

Holte bei der OB-Wahl am Sonntag in Aue-Bad Schlema die meisten Stimmen: Stefan Hartung (36) von den rechtsextremen "Freien Sachsen".
Holte bei der OB-Wahl am Sonntag in Aue-Bad Schlema die meisten Stimmen: Stefan Hartung (36) von den rechtsextremen "Freien Sachsen".  © Uwe Meinhold

Bislang liegen nur die vorläufigen Zwischenergebnisse der OB-Wahl vor. Das Endergebnis wird erst am Dienstag mitgeteilt. Doch die vorläufigen Zahlen haben es in sich!

Stefan Hartung von der rechtsextremen Kleinpartei "Freie Sachsen" holte 29 Prozent und liegt damit vor dem CDU-Kandidaten Marcus Hoffmann mit 23,6 Prozent.

Weil keiner der OB-Anwärter eine absolute Mehrheit (mehr als 50 Prozent) einsackte, geht es am 7. Juni in die Stichwahl. Dort reicht die einfache Mehrheit. Heißt: Der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt.

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Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich Hartung wieder aufstellen lassen. Auf Facebook richtete sich der 36-Jährige am Sonntagabend an die Bürger. Er hofft im zweiten Wahlgang auf einen Sieg, damit in der Stadt der "politische Wandel einziehen kann".

CDU, Linke und Freie Wähler sind alarmiert!

Die Einwohner der Stadt Aue-Bad Schlema (etwa 20.000 Einwohner) bestimmen am 7. Juni in einer Stichwahl ihren neuen Bürgermeister.
Die Einwohner der Stadt Aue-Bad Schlema (etwa 20.000 Einwohner) bestimmen am 7. Juni in einer Stichwahl ihren neuen Bürgermeister.  © Uwe Meinhold

Bei CDU, Freien Wählern und den Linken schrillen die Alarmglocken - ein rechtsextremer Kandidat als Oberbürgermeister? Das wollen die Parteien verhindern.

Wahrscheinlich ist, dass CDU-Kandidat Marcus Hoffmann erneut antritt und andere Parteien ihn unterstützen. So wohl auch die Linke.

"Ich werde nun ins Gespräch mit Herrn Markus Hoffmann, dem Kandidaten der CDU, gehen, da es aus meiner Sicht Priorität hat, einen rechtsextremen Bürgermeister für Aue-Bad Schlema zu verhindern", sagte Tony Neuß, der für die Linke antrat und 6,4 Prozent holte.

Auch die "Freien Wähler" sind alarmiert. "Das Ergebnis der Wahl ist kein gutes Signal für Aue-Bad Schlema und die ganze Region", schreibt die Partei auf Facebook. In den kommenden Tagen werde man sich Gedanken machen, wie es weitergeht.

Die CDU kommentiert die OB-Wahl so: "Für den zweiten Wahlgang am 7. Juni rufen wir alle Wählerinnen und Wähler dazu auf, ihre Stimme für einen bürgerlichen Kandidaten aus der Mitte der Bevölkerung abzugeben – für Stabilität, Zusammenhalt und eine starke Zukunft unserer Stadt."

Fast die Hälfte der Wähler stimmte für AfD und "Freie Sachsen"

Fast die Hälfte der Wähler in Aue-Bad Schlema stimmte für die AfD oder die "Freien Sachsen". (Symbolbild)
Fast die Hälfte der Wähler in Aue-Bad Schlema stimmte für die AfD oder die "Freien Sachsen". (Symbolbild)  © Bodo Schackow/dpa

Welche Kandidaten im zweiten Wahlgang antreten, ist noch unklar. Fakt ist aber: Stefan Hartung und der AfD-Kandidat Lars Bochmann holten zusammen 47,5 Prozent. Bedeutet: Fast die Hälfte der Wähler stimmte für einen rechten bzw. rechtsextremen Kandidaten.

Das zentrale Thema des rechten und rechtsextremen Lagers: die Sicherheit. Immer wieder kam es vor allem am Postplatz in Aue zu heftigen Auseinandersetzungen, oftmals waren Migranten daran beteiligt. Die Stimmung in der Stadt kippte - Hartung nutzte die Schlägereien für seinen Wahlkampf und traf dabei offenbar den Nerv der Bürger.

Beunruhigend: Laut Verfassungsschutz werden die "Freien Sachsen" als rechtsextremistische Partei eingestuft. Hartung war zudem früher in der NPD aktiv. Dennoch holte er die Mehrheit der Stimmen.

Zurück zur Stichwahl in Aue am 7. Juni: Spannend bleibt, wie sich die AfD verhält. Aktuell ist noch nicht klar, ob sie Lars Bochmann nochmals ins Rennen schicken, Hartung unterstützen oder sich für einen anderen Kandidaten aussprechen. Sollten sie den "Freien Sachsen"-Kandidaten unterstützen, hätte er wohl gute Chancen auf einen Sieg.

Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold (2)

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