Gegen die Drückjagden im Erzgebirge: Tierschützer nehmen Minister ins Visier
Erzgebirge - Schutz des Waldes oder sinnloses Töten? Die Jagd auf Rothirsche im Winter ist seit Jahren umstritten. Eine Petition fordert jetzt von Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (54, CDU) den Verzicht auf Drückjagden ab der Wintersonnenwende.
Während Sachsenforst auf Schäden an Jungbäumen verweist und den Bestand an Hirschen deshalb weiter reduzieren will, halten Gegner Drückjagden bei Schnee und Frost für gesetzeswidrig und wissenschaftlich überholt.
"Diese Form der Jagd ist nicht weidgerecht", kritisiert Lovis Kauertz (69), Vorsitzender des Vereins Wildtierschutz Deutschland. "Sie fördert Wildschäden, weil die aufgeschreckten Tiere ihren Stoffwechsel aus dem Ruhemodus hochfahren und mehr Energie brauchen."
Dagegen versichert Sachsenforst-Sprecher Lars Richter: "Die Jagden sind auf die Lebensweise der Wildtiere abgestimmt."
Er nennt die Priorität des Staatsbetriebes: "Die Intensität der Bejagung muss die Entwicklung klimastabiler Mischwälder und die Wiederbewaldung nach den massiven Waldschäden der vergangenen Jahre gewährleisten."
Drückjagden-Gegner sehen Rothirsch als Art bedroht
Hinter die Petition gegen Drückjagden, die bisher über 7100-mal unterzeichnet wurde, stellt sich auch die Hegegemeinschaft Erzgebirge. "Hier werden Erkenntnisse der Wildtierwissenschaft ignoriert", sagt der Vorsitzende Karsten Bergner (51), selbst Förster in einem Privatwald.
Die Vereinigung geht rechtlich gegen die Jagdpraxis vor. "Wir haben vor zwei Jahren Klage eingereicht und warten auf einen Termin beim Verwaltungsgericht."
Bergner sieht den Rothirsch, der Wildtier des Jahres 2026 ist, im Erzgebirge mittlerweile als Art bedroht: "Der Bestand ist rapide zurückgegangen. In Eibenstock haben wir nur noch Wechselwild. Es droht Inzucht mit körperlichen Nachteilen."
Titelfoto: Bildmontage: picture alliance / Patrick Pleul, IMAGO
