Gegen die Drückjagden im Erzgebirge: Tierschützer nehmen Minister ins Visier

Erzgebirge - Schutz des Waldes oder sinnloses Töten? Die Jagd auf Rothirsche im Winter ist seit Jahren umstritten. Eine Petition fordert jetzt von Staatsminister Georg-Ludwig von Breitenbuch (54, CDU) den Verzicht auf Drückjagden ab der Wintersonnenwende.

Die Saison der Drückjagden geht in Sachsen bis Ende Januar.
Die Saison der Drückjagden geht in Sachsen bis Ende Januar.  © picture alliance / Patrick Pleul

Während Sachsenforst auf Schäden an Jungbäumen verweist und den Bestand an Hirschen deshalb weiter reduzieren will, halten Gegner Drückjagden bei Schnee und Frost für gesetzeswidrig und wissenschaftlich überholt.

"Diese Form der Jagd ist nicht weidgerecht", kritisiert Lovis Kauertz (69), Vorsitzender des Vereins Wildtierschutz Deutschland. "Sie fördert Wildschäden, weil die aufgeschreckten Tiere ihren Stoffwechsel aus dem Ruhemodus hochfahren und mehr Energie brauchen."

Dagegen versichert Sachsenforst-Sprecher Lars Richter: "Die Jagden sind auf die Lebensweise der Wildtiere abgestimmt."

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Er nennt die Priorität des Staatsbetriebes: "Die Intensität der Bejagung muss die Entwicklung klimastabiler Mischwälder und die Wiederbewaldung nach den massiven Waldschäden der vergangenen Jahre gewährleisten."

Hirschkühe sind im Erzgebirge mittlerweile ein seltener Anblick.
Hirschkühe sind im Erzgebirge mittlerweile ein seltener Anblick.  © Imago
Rothirsche schalten im Winter in einen Ruhemodus, um Energie zu sparen.
Rothirsche schalten im Winter in einen Ruhemodus, um Energie zu sparen.  © Imago
Bei Drückjagden wird das Wild mithilfe von Jagdhelfern und Hunden aufgescheucht.
Bei Drückjagden wird das Wild mithilfe von Jagdhelfern und Hunden aufgescheucht.  © imago/Arnulf Hettrich

Drückjagden-Gegner sehen Rothirsch als Art bedroht

Förster Karsten Bergner (51) von der Hegegemeinschaft Erzgebirge setzt sich gegen Drückjagden ein.
Förster Karsten Bergner (51) von der Hegegemeinschaft Erzgebirge setzt sich gegen Drückjagden ein.  © Kristin Schmidt

Hinter die Petition gegen Drückjagden, die bisher über 7100-mal unterzeichnet wurde, stellt sich auch die Hegegemeinschaft Erzgebirge. "Hier werden Erkenntnisse der Wildtierwissenschaft ignoriert", sagt der Vorsitzende Karsten Bergner (51), selbst Förster in einem Privatwald.

Die Vereinigung geht rechtlich gegen die Jagdpraxis vor. "Wir haben vor zwei Jahren Klage eingereicht und warten auf einen Termin beim Verwaltungsgericht."

Bergner sieht den Rothirsch, der Wildtier des Jahres 2026 ist, im Erzgebirge mittlerweile als Art bedroht: "Der Bestand ist rapide zurückgegangen. In Eibenstock haben wir nur noch Wechselwild. Es droht Inzucht mit körperlichen Nachteilen."

Titelfoto: Bildmontage: picture alliance / Patrick Pleul, IMAGO

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