Von Sebastian Münster
Freiberg - Die heimische Rohstoffgewinnung rückt stärker in den Fokus. Aus keinem Land in der EU hat es in diesem Januar mehr Bewerbungen um den Status eines kritischen Rohstoffprojekts bei der EU-Kommission gegeben, sagte Matthias Koehler, Ministerialdirigent im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, bei der Sächsischen Rohstoffkonferenz in Freiberg.
Ein solcher Status verspricht eine bevorzugte Behandlung für schnellere Genehmigungsverfahren.
Seit rund zehn Jahren reifen Pläne, Lithium aus Gestein unter dem Erzgebirge zu gewinnen. Während das Projekt in Tschechien mit Staatsgeld rechnen kann, kämpft die sächsische Seite weiter um ein klares Signal aus Brüssel.
In Cínovec will die Firma Geomet jährlich rund 3,2 Millionen Tonnen Erz fördern und daraus 37.000 Tonnen Lithiumkarbonat gewinnen, heißt es in einer Machbarkeitsstudie. Die frühere tschechische Regierung hatte Subventionen in Höhe von 8,8 Milliarden Kronen (rund 361 Millionen Euro) zugesagt. Bewilligt wurden zudem knapp 33 Millionen Euro EU-Fördergelder.
Bevor der Abbau starten kann, steht eine Umweltverträglichkeitsprüfung beim Umweltministerium an.
Bislang keine finanzielle Unterstützung durch den Staat
Zinnwald Lithium blieb der Status eines EU-Projekts für kritische Rohstoffe im vergangenen Jahr verwehrt. Zwar gab es mehrfach politischen Besuch. Eine finanzielle Unterstützung, wie sie der tschechische Staat zugesagt hat, gibt es für das Lithium-Vorhaben in Sachsen bislang nicht.
Jährlich könnten laut Unternehmen etwa 1,5 Millionen Tonnen Lithium-Erz abgebaut werden.
Mitte Januar hat sich Zinnwald Lithium erneut um den Status eines kritischen EU-Rohstoffprojekts beworben, sagte Geschäftsführer Marko Uhlig (56). Für Investoren sei der Status "ein wichtiges Signal", so der Manager sinngemäß – ohne erkennbare Fortschritte würden die Geldgeber "irgendwann skeptisch".
Für das sächsische Oberbergamt wäre ein als kritisches EU-Projekt eingestuftes Vorhaben formal "erst mal gar nicht" anders zu behandeln als andere Bergwerke, wie Präsident Bernhard Cramer (56) erläuterte.
Umwelt- und Sicherheitsstandards dürften nicht aufgeweicht werden. "Bergbau, der nicht nach unseren Wertesystemen genehmigungsfähig ist, darf ich nicht einfach durchpeitschen", so Sachsens oberster Bergmann.