Nach OB-Wahl in Aue: Hartung-Anhänger beklagen Betrug! Das sagt Politik-Experte

Aue-Bad Schlema - Der OB-Wahlkrimi in Aue-Bad Schlema sorgt weiter für hitzige Diskussionen: Von Stefan Hartung (37, rechtsextreme "Freie Sachsen") kommt scharfe Kritik an der Briefwahl. Auch seine Anhänger wettern dagegen. Im Netz liest man in diesem Zusammenhang immer ein Wort: "Betrug". Doch wie wahrscheinlich sind Manipulationen wirklich? TAG24 fragte bei einem Politik-Experten nach.

Nach seiner Wahlniederlage schimpfte Stefan Hartung (37, rechtsextreme "Freie Sachsen") auf das Briefwahlverfahren.  © Ralph Kunz

Nach der Aue-Wahl schimpfte Stefan Hartung auf die Briefwahl. Sie sei intransparent, gehöre auf den Prüfstand.

Der rechtsextreme Kandidat lag bei den Zwischenergebnissen lange vorn, die Auszählung der Briefwahlstimmen änderte das plötzlich.

Viele seiner Anhänger sprechen im Zusammenhang mit der Briefwahl von "Betrug". Einige werfen Pflegeheimen sogar vor, die Briefwahl absichtlich zu beeinflussen - beispielsweise bei dementen Menschen.

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Politikwissenschaftler Prof. Eric Linhart (50) von der TU Chemnitz kennt die Vorwürfe. Natürlich sei die staatliche Kontrolle bei der Urnenwahl höher als bei der Briefwahl, sagt er.

"Es kann zum Beispiel im familiären Umfeld niemand garantieren, dass die Wahl wirklich vor Familienmitgliedern geheim ist und nicht etwa doch sozialer Druck durch Familienmitglieder ausgeübt wird", erklärt der Politik-Experte.

Manipulationen in Pflegeheimen hält Linhart bei der OB-Wahl in Aue hingegen für wenig plausibel. "Dort herrscht viel mehr Öffentlichkeit und Angestellte können sich wechselseitig kontrollieren. Außerdem können Familienangehörige einbezogen oder über Druck informiert werden", sagt der Politikwissenschaftler.

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Hunderte Bürger wählten in Aue per Brief - nur durch diese Stimmen konnte der rechtsextreme Kandidat verhindert werden.  © Sebastian Willnow/dpa
Unter den Beiträgen zur OB-Wahl schimpfen zahlreiche Anhänger von Stefan Hartung über die Briefwahl.  © Screenshot: facebook.com

Politik-Experte: Keine verstärkten Manipulationen bei Briefwahl

Hält Briefwahl-Manipulationen in Aue für wenig plausibel: Politikwissenschaftler Prof. Eric Linhart (50).  © Uwe Meinhold

Dazu kommt: Bei den hohen Zustimmungswerten für Hartung sind unter den Pflege-Mitarbeitern und Angehörigen sehr wahrscheinlich auch Hartung-Unterstützer.

"Man kann davon ausgehen, dass diese Personen die Briefwahl sehr genau beobachten - und bei konkreten Anhaltspunkten von Fälschungen dies lautstark skandalisieren würden", erklärt Linhart.

Auch insgesamt betont der Uni-Professor: "Es gibt keine wissenschaftliche Evidenz dafür, dass bei Briefwahlen verstärkt manipuliert würde."

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In Einzelfällen habe es allerdings schon Manipulationsversuche gegeben - auch in Pflegeheimen.

Besonders brisant: Ausgerechnet ein Ortschaftsratsmitglied der "Freien Sachsen" sabotierte 2024 bei Wahlen in Sachsen mehrere Briefwahl-Stimmzettel. Der Schwindel flog auf.

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