Polizeischüler in Sorge: Wie gefährlich ist das Radon-Gas?
Schneeberg – Radon-Sorgen an der Polizeifachschule Schneeberg (Erzgebirge): Ein anonymes Schreiben erhebt schwere Vorwürfe wegen einer sehr hohen Belastung in der Ausbildungsstätte.
In dem Brief, der TAG24 vorliegt, ist von "außergewöhnlich hohen Radonwerten im gesamten Objekt" die Rede. Teilweise sollen über 100.000 Becquerel pro Kubikmeter gemessen worden sein. Zum Vergleich: Der EU-Referenzwert liegt bei 300 Becquerel.
Radon ist ein radioaktives Gas, geruchs- und geschmacklos. Es entsteht natürlicherweise im Boden, besonders in ehemaligen Bergbauregionen wie dem Erzgebirge. Nach dem Rauchen gilt Radon als eine der häufigsten Ursachen für Lungenkrebs – und kann damit zur Gefahr für Lernende und Lehrkräfte werden.
Die Verfasser des Schreibens erheben einen schweren Vorwurf: Verantwortliche könnten bereits vor Kauf und Sanierung der Schule von der hohen Belastung gewusst haben. Außerdem wird kritisiert, dass der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) keine konkreten Messwerte veröffentliche.
Der SIB bestätigt gegenüber TAG24 grundsätzlich erhöhte Werte. "Die Radonbelastung wurde durch eine Langzeitmessung dokumentiert", sagt ein Sprecher. Konkrete Zahlen nennt die Behörde nicht.
Klar ist nur: In erdberührten Räumen liegen die Werte teilweise deutlich über dem Grenzwert von 300 Bq/m³.
Polizeifachschule Schneeberg im Krisenmodus
Auf Basis der Messungen wurde ein Gutachten erstellt, das klar Sanierungsbedarf attestiert. Betroffen sind unter anderem Hauptgebäude, Verwaltungs- und Mehrzweckgebäude, Speziallehrsäle sowie das Trainingsgebäude.
Aktuell läuft der Betrieb im Krisenmodus. Stark belastete Räume wurden gesperrt. Die Schule musste ihre Nutzung neu organisieren, teilweise umziehen. Kellerräume sollen nur noch kurzzeitig betreten werden. Seit Ende 2025 laufen laut SIB erste Sanierungsmaßnahmen.
Dabei ist die Polizeifachschule neu: Teile der alten Jägerkaserne wurden erst zwischen 2015 und 2018 für rund 28 Millionen Euro umgebaut und saniert.
Da bleibt die Frage: Warum wurde das Gebäude damals nicht bereits gegen Radon abgedichtet?
Ursache ist der Bergbau
Nicht nur in Schneeberg ist die Radon-Belastung ein Problem, auch andere Teile des Erzgebirges sind betroffen, darunter unter anderem die Gebiete um Aue-Bad Schlema, Annaberg-Buchholz und Stollberg.
In den Gemeinden ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter überschritten wird.
Grund sind die geologischen Gegebenheiten und der intensive, historischen Uranerzabbau. In den Regionen hatten Bergarbeiter bereits im 16. Jahrhundert auffallend oft Probleme mit der Lunge.
Die Erkrankung, zu der Zeit "Schneeberger Krankheit" genannt, verlief tödlich. Dass es sich dabei um Folgen vom Einatmen von Radon handelte, war damals noch nicht bekannt.
Titelfoto: Bildmontage: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-tmn, Uwe Meinhold

