Reifendrehen im Erzgebirge: Hier bekommt Ihr einen Einblick in ein einzigartiges Handwerk
Seiffen - Reifendrehen ist Spielzeugmacherkunst in Perfektion. Das Freilichtmuseum in Seiffen lüftet mit einer neuen Ausstellung das Geheimnis um die Wurzeln dieser einzigartigen Handwerkstechnik. Kurator Albrecht Kirsche (73) - selbst Nachfahre einer Spielzeugmacherfamilie - entdeckte sie in alten Glashütten des Erzgebirges.
"Die Glasmacher hatten eigene Drechslereien, in denen hölzerne Formen hergestellt wurden. Das erforderte handwerkliches Können und räumliches Vorstellungsvermögen", erzählt der Seiffener, der 40 Jahre zu diesem Thema forschte.
Als Maschinenbau-Ingenieur zog er technologische Vergleiche und kam zu dem Schluss: Die Wiege der Reifen-Figuren liegt um rund 1760 in diesen Werkstätten. Die Glashütten verschwanden im Laufe der Zeit aus der Gegend. Die Reifendrechsler blieben.
Um 1900 eroberte die ungewöhnliche Technik, die es ermöglicht, aus einem Holzreifen rund 60 identische Figuren herzustellen, den Markt im großen Stil. Albrecht Kirsche: "Damals waren Archen mit Holztieren überaus beliebt. Das Reifendrehen ermöglichte große Stückzahlen."
Zu sehen ist die Ausstellung mit alten Werkzeugen und seltenen Reifen-Motiven in Kirsches Elternhaus, das 1705 gebaut wurde. Nachdem es Generationen von Spielzeugmachern ein Heim geboten hat, gehört es heute zum Freilichtmuseum.
Das Museum hat täglich 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro für Erwachsene, ermäßigt 7 Euro. Kinder von vier bis 16 Jahren in Begleitung von mindestens einem zahlenden Eltern- oder Großelternteil haben freien Eintritt.
Titelfoto: Nico Schimmelpfennig (2)
