Reifendrehen im Erzgebirge: Hier bekommt Ihr einen Einblick in ein einzigartiges Handwerk

Seiffen - Reifendrehen ist Spielzeugmacherkunst in Perfektion. Das Freilichtmuseum in Seiffen lüftet mit einer neuen Ausstellung das Geheimnis um die Wurzeln dieser einzigartigen Handwerkstechnik. Kurator Albrecht Kirsche (73) - selbst Nachfahre einer Spielzeugmacherfamilie - entdeckte sie in alten Glashütten des Erzgebirges.

Albrecht Kirsche (73) eröffnete mit Catrin Tolksdorf-Bilz und Thorid Zierold (l.) symbolisch die neue Ausstellung.  © Nico Schimmelpfennig

"Die Glasmacher hatten eigene Drechslereien, in denen hölzerne Formen hergestellt wurden. Das erforderte handwerkliches Können und räumliches Vorstellungsvermögen", erzählt der Seiffener, der 40 Jahre zu diesem Thema forschte.

Als Maschinenbau-Ingenieur zog er technologische Vergleiche und kam zu dem Schluss: Die Wiege der Reifen-Figuren liegt um rund 1760 in diesen Werkstätten. Die Glashütten verschwanden im Laufe der Zeit aus der Gegend. Die Reifendrechsler blieben.

Um 1900 eroberte die ungewöhnliche Technik, die es ermöglicht, aus einem Holzreifen rund 60 identische Figuren herzustellen, den Markt im großen Stil. Albrecht Kirsche: "Damals waren Archen mit Holztieren überaus beliebt. Das Reifendrehen ermöglichte große Stückzahlen."

Erzgebirge CDU gegen "Freie Sachsen": So knapp könnte die Stichwahl in Aue werden

Zu sehen ist die Ausstellung mit alten Werkzeugen und seltenen Reifen-Motiven in Kirsches Elternhaus, das 1705 gebaut wurde. Nachdem es Generationen von Spielzeugmachern ein Heim geboten hat, gehört es heute zum Freilichtmuseum.

Anzeige
Wie aus Glasformdrehern Spielzeugmacher wurden, zeigt das Freilichtmuseum Seiffen mithilfe von Szenen aus Holzkunst.  © Nico Schimmelpfennig
Welches Tier sich in einer Reifenform verbirgt, sehen Laien erst, nachdem das Profil durchtrennt ist.  © Nico Schimmelpfennig

Das Museum hat täglich 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro für Erwachsene, ermäßigt 7 Euro. Kinder von vier bis 16 Jahren in Begleitung von mindestens einem zahlenden Eltern- oder Großelternteil haben freien Eintritt.

Mehr zum Thema Erzgebirge: