Chemnitz - Es gibt endlich einen Ausbau-Plan für die Problem-Bahnlinie Chemnitz-Leipzig. Für mehr als 680 Millionen Euro soll die Strecke elektrifiziert und abschnittweise zweigleisig ausgebaut werden. Doch bis dahin wird es noch Jahre dauern - Totalsperrungen und monatelanger Schienenersatzverkehr inklusive.
"Die Strecke beschäftigt uns schon Jahrzehnte", sagte OB Sven Schulze (54, SPD) zur Vorstellung einer Machbarkeitsstudie im Chemnitzer Rathaus. Die war nötig geworden, weil die Kosten zuletzt explodierten.
2021 hatte das Land Sachsen knapp 500 Millionen Euro aus Fördermitteln für die Kohleregionen (die Strecke führt durchs Leipziger Revier) für den Ausbau geblockt.
Im März ging die Bahn-Tochter DB InfraGO in einer aktualisierten Kostenschätzung allerdings plötzlich von 1,3 Milliarden Euro aus - allein für den Nordabschnitt Leipzig-Geithain!
"Die Machbarkeitsstudie soll zeigen, was mit dem vorhandenen Budget noch möglich ist", so Infrastrukturministerin Regina Kraushaar (62, CDU).
Das Ergebnis: Um die gesteckten Ausbau-Ziele zu erreichen - künftig 75 Züge am Tag (aktuell ca. 60), zur Hauptverkehrszeit von 6-8 und 15-18 Uhr halbstündige Verbindungen (aktuell stündlich) und Anbindung an den Fernverkehr -, müsste der Nordabschnitt auf mindestens 24 Kilometern zweigleisig ausgebaut werden, damit die Züge aneinander vorbei fahren können.
Aktuell vorhanden sind nur sechs. Kosten: 531 Millionen Euro.
Bauarbeiten frühestens ab 2031
"Die fehlenden gut 30 Millionen werden wir aus noch verfügbaren Bundesmitteln finanzieren können", hofft Ministerin Kraushaar. Eine Elektrifizierung der Strecke, Voraussetzung für Fernverkehr, würde weitere 150 Millionen Euro kosten. "Wir brauchen dazu den Bund", so Kraushaar mit Blick auf das Sondervermögen.
Jens Hettwer, Projektleiter bei der Bahntochter DB InfraGO, rechnet mit ersten Vorplanungen noch in diesem Jahr - zunächst für den Südabschnitt Chemnitz-Geithain: "Nach der Sommerpause sollen alle betroffenen Bürger informiert werden."
Um bei den Bauarbeiten - frühestens ab 2031 - schneller voran zu kommen, werde es lange Vollsperrungen der Strecke geben. Auch im Nordabschnitt, aber da sei noch kein Zeitplan absehbar.
Wann wird diese Endlos-Sanierung abgeschlossen sein? "In den 30er-Jahren", versichert Regina Kraushaar. Auf einen genaueren Termin will sich die Ministerin aktuell nicht festlegen.