Fischspezialitäten statt Studium: 22-Jähriger übernimmt Traditions-Firma in Sachsen
Zschorlau - In Albernau (Erzgebirgskreis) wird seit über 90 Jahren Fisch zu feiner Kost: Brathering, Rollmops, Fischsoljanka, Dillhappen, Heringshäckerle. Ein Schatz von 300 Rezepten ist überliefert. Seit knapp zwei Jahren hält in dem Traditionsbetrieb einer der jüngsten Unternehmer Sachsens das Ruder in der Hand.
Das 1933 gegründete Familienunternehmen hatte die DDR-Verstaatlichung überstanden und den Neustart mit einem privaten Betreiber nach der Wende. Doch als der in den Ruhestand gehen wollte, drohte vor zwei Jahren das Aus.
"Als ich von der Suche nach einem Nachfolger erfuhr, hatte ich nach dem Abitur gerade vier Wochen Betriebswirtschaft studiert und gemerkt, dass ich eher der Praktiker bin", erzählt Niclas-Maurice Becher (22).
Mit gerade mal 20 Jahren übernahm er die Firma und die Verantwortung für fünf Mitarbeiter. Kein pures Neuland: "Ich bin in einem Lebensmittelbetrieb aufgewachsen, mein Opa hat einen Geflügelhof", erzählt Becher.
"Zwei Jahre stand mir der frühere Besitzer Bernd Cistecky zur Seite und weihte mich in die Zubereitungsverfahren ein, die unsere Produkte so besonders machen."
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Fisch kommt überwiegend aus Rostock
Seit Januar hütet Niclas-Maurice Becher die alten Rezepturen allein: "Die Soße für den Brathering oder das Reifebad für den Matjes beispielsweise ist Chefsache, die rühre ich abends an, wenn niemand mehr hier ist."
Der Fisch für die erzgebirgische Feinkost kommt in Zwei-Tonnen-Portionen tiefgefroren und als Sauerfilets in Fässern überwiegend aus Rostock.
Was die Albernauer daraus machen, schmeckt den Leuten in der Region: "Bei uns ist alles Handarbeit. Unsere Produkte gibt es bisher in den Edeka-Märkten im Umkreis von zehn bis 15 Kilometern, aber wir wollen wachsen", so Becher, der von einer neuen Produktionsstätte träumt. "Dann könnten wir auch bis Chemnitz liefern."
Titelfoto: Bildmontage: Uwe Meinhold (2)
